Übernahme
Opel-Treuhand streitet über künftigen Investor

Watschen für die Politik im Fall Opel: Die von Bund und Ländern bestellten Vertreter der Opel-Treuhand bevorzugen andere Lösungen als die von der Politik favorisierte Übernahme des Rüsselsheimer Autobauers durch den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna.

BERLIN. In einer ersten Sondierungsrunde mit GM-Managern am Dienstag im Kanzleramt hat Ex-Conti-Chef Manfred Wennemer als Vertreter des Bundes nach Informationen des Handelsblatts dafür plädiert, Opel in eine Planinsolvenz zu entlassen und danach mit staatlicher Hilfe einen Neuanfang zu versuchen. Dagegen sprach sich der hessische FDP-Politiker Dirk Pfeil als Vertreter der vier Länder mit Opel-Standorten dafür aus, den Traditionshersteller an den auch von GM bevorzugten Finanzinvestor RHJ zu verkaufen.

Das Votum der beiden hat Gewicht, weil sie von der Politik bewusst als unabhängige Fachleute bestellt worden sind. Wennemer kennt die Autoindustrie aus seiner Zeit als Topmanager bestens; Pfeil war jahrelang selbst als Insolvenzverwalter tätig.

Neben den beiden sitzen die GM-Manager Enrico Digirolamo, John Smith und Eric Stevens sowie Insolvenzrechtsexperte Alfred Hagebusch in der Treuhand, die als zentrales Entscheidungsgremium für die von GM gelöste Opel-Gesellschaft fungiert. Den Vorsitz hat der Präsident der US-Handelskammer in Deutschland, Fred Irvin, inne. Er kann sein doppeltes Stimmrecht als Vorsitzender aber erst in sechs Monaten ausüben. Bis dahin soll es jedoch längst eine Entscheidung geben.

In der Politik herrscht Unmut über das abweichende Votum ihrer Vertreter. Man müsse „die wieder einfangen“, hieß es in Berlin und Wiesbaden. Für Opel bieten nur noch Magna und RHJ. Der chinesische Bieter BAIC schied nach Sondierung seines Angebots aus.

Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) stellte unterdessen klar, dass die zugesagten Staatsbürgschaften für den Erhalt von Opel nicht an jeden möglichen Investor bereitgestellt werden. „Wir müssen darauf achten, dass deutsche Staatsbürgschaften nur an einen Investor gehen, der den dauerhaften Fortbestand von Opel als eigenständiges Unternehmen garantiert“, sagte Steinmeier der „Bild“-Zeitung. „Opel ist ein zukunftsfähiges Unternehmen, das zum Beispiel jedes Jahr 1,5 Milliarden Euro in Forschung investiert, das meiste in Deutschland.“ Er halte das Angebot von Magna weiterhin für die vernünftigste Lösung „im Sinne der Beschäftigten und im Sinne der deutschen Steuerzahler.“

Deweil wurde bekannt, warum BAIC nicht mehr im Rennen ist: Der chinesische Autobauer hat das Scheitern der Verhandlungen um einen Einstieg bei Opel eingestanden. Mit der Opel-Mutter General Motors sei trotz intensiver Gespräche keine Einigung in den Patenfragen erreicht worden.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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