Übernahme
Opel-Treuhand treibt Verkauf voran

Die Opel-Treuhandgesellschaft will spätestens Mitte Juli konkrete Vereinbarungen zur Übernahme des Autobauers präsentieren. Ziel sei es, eine für Opel, GM und die Bundesregierung wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu finden, hieß es aus Verhandlungskreisen. Beim Verkauf sei man nicht ausschließlich auf Magna fixiert.

BERLIN. Die Opel-Treuhandgesellschaft drückt in den Verhandlungen mit der Investorengruppe um den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna aufs Tempo. Bereits "Ende Juni bis Mitte Juli" wolle man konkrete Vereinbarungen getroffen haben; spätestens im September wolle man abschließende Resultate präsentieren können, hieß es gestern aus Verhandlungskreisen nach der konstituierenden Sitzung des Beirates der Opel-Treuhandgesellschaft.

Einer vorläufigen Vereinbarung mit der Bundesregierung zufolge kann Magna Opel gemeinsam mit der russischen Sberbank übernehmen. Die Bundesregierung ist grundsätzlich bereit, die Finanzierung mit Garantien abzusichern und hat Opel gemeinsam mit den Ländern bereits einen Überbrückungskredit über 1,5 Mrd. zugesagt, wovon 300 Mio. schon ausgezahlt wurden.

Magna selbst will 20 Prozent an Opel halten, die russische Sberbank 35 Prozent, weitere zehn Prozent sollen künftig bei den Mitarbeitern liegen. Bis es zu abschließenden Vereinbarungen mit einem neuen Investor kommt, sind die insgesamt 65 Prozent an Opel bei der Treuhandgesellschaft geparkt. Die restlichen 35 Prozent bleiben bei General Motors (GM).

Auf die Treuhandlösung hatten sich die Opel-Mutter GM, die US-Regierung und die Bundesregierung verständigt. Die Gründung der Gesellschaft war notwendig geworden, um Opel vor der Insolvenz von GM abzuspalten. Die Gesellschaft überwacht den Verkaufsprozess. Dabei hat sie auch ein Auge auf die Verwendung des Überbrückungskredits von Bund und Ländern. Die Treuhänder greifen nicht in das Tagesgeschäft des Autobauers ein, müssen aber bei wichtigen Entscheidungen wie größeren Investitionen und im Rahmen des Verkaufprozesses mit einbezogen werden. Beim Verkauf sei man nicht ausschließlich auf Magna fixiert, sagte ein Mitglied des Treuhandbeirates gestern. Ziel sei es vielmehr, eine für Opel, GM und die Bundesregierung wirtschaftlich möglichst sinnvolle Lösung zu finden.

Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) betont immer wieder, dass es noch keine Festlegung gebe. Er hatte zuletzt wieder Offerten chinesischer Interessenten ins Spiel gebracht. Zu Guttenberg will damit verhindern, dass Magna sich in den Verhandlungen zu sicher fühlt. GM-Chef Fritz Henderson erklärte ebenfalls, es gebe noch keine exklusive Vereinbarung mit Magna bezüglich Opel. GM sei auch offen für Gespräche mit anderen Interessenten.

Weiter hieß es nach der ersten Sitzung des Beirates, es gebe in den kommenden Wochen noch eine ganze Reihe offener Fragen zu klären. Zwar seien in den vergangenen Tagen bereits verschiedene Lösungen für die künftige Abgrenzung von Marktzugängen zwischen GM und Opel präsentiert worden; abschließend geklärt sei aber noch nichts. Ähnliches gelte für die Frage, unter welchen Bedingungen Opel künftig Zugriff auf GM-Technologie habe. Alle bisherigen Vereinbarungen seien noch sehr unbestimmt. Tatsächlich umfasst das Memorandum of Understanding, das am Ende der Verhandlungen zwischen Bundesregierung, US-Regierung, GM und Opel stand, lediglich drei Seiten mit einigen Eckpunkten.

Die Besetzung des Beirates der Treuhand war erst einen Tag vor der gestrigen konstituierenden Sitzung komplett. Vorsitzender ist der Chef der American Chamber of Commerce in Deutschland, Fred Irwin. Der Bund lässt sich in dem Gremium vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Automobilzulieferers Continental, Manfred Wennemer, vertreten. Der Frankfurter Insolvenzverwalter und FDP-Politiker Dirk Pfeil soll die Interessen der Länder im Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft vertreten. In Berliner Regierungskreisen hieß es, mit der Berufung Pfeils sei es gelungen die Länder und zugleich die FDP einzubinden. Weitere Mitglieder sind Enrico Digirolamo, Finanzchef von GM Europe, und John Smith, GM-Produktentwicklungschef. Die Treuhandgesellschaft hat zwei Geschäftsführer: Den Rechtsanwalt Alfred Hagebusch von der Kanzlei Wellensiek und den Europa-Vizechef von GM, Eric Stevens.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%