Übernahme
Pharmabranche ist wieder in Kauflaune

Die Übernahmewelle in der Pharmabranche geht weiter: Marktführer Pfizer will nach Berichten des Wall Street Journals bis zu 70 Mrd. Dollar für den Kauf des US-Konkurrenten Wyeth, mit zuletzt 22,4 Mrd. Dollar Umsatz die Nummer neun weltweit, ausgeben. Der Kauf wäre eine der größten Übernahmen in der Branche überhaupt.

FRANKFURT. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht. Zwar hatte es in den vergangenen Monaten zahlreiche Deals gegeben. Aber bis auf die 40-Mrd.-Dollar schwere Anteilsaufstockung von Roche bei der US-Firma Genentech hatten die Einkäufe eher kleinere und mittlere Größenordnungen. Beispielsweise verstärkte sich Big Pharma vor allem mit Biotechunternehmen oder Generikaanbietern. Die Branche, die Gewinnmargen von 25 bis 30 Prozent erzielt, ist finanziell überwiegend gut aufgestellt.

Der Startschuss für eine Konsolidierungswelle großen Stils in der Pharmabranche ist nach Einschätzung von Analysten wie Olaf Tölke von der Rating Agentur Standard & Poors oder Daniel Wendorff von der Commerzbank trotz des möglichen Pfizer-Deals aber noch nicht gefallen. „Ich gehe zwar davon aus, dass wir in diesem Jahr mehr Fusionen und Übernahmen in der Pharmabranche sehen werden. Die Pharmaindustrie hat gute Cash-Positionen. Ich rechne aber weniger mit den ganz großen Deals als vielmehr mit einer Vielzahl von gezielten strategischen kleineren und mittleren Zukäufen“, sagt Analyst Wendorff. Ähnlich argumentiert auch Markus Meyer, Analyst bei der UnicreditGroup. „Viele große Pharmaunternehmen müssen dringend ihre Pipeline aufpäppeln. Da machen strategische Zukäufe Sinn, zumal viele potenzielle Übernahmekandidaten an Wert verloren haben", sagt er.

Nach Untersuchungen der Finanzmarktexperten von Bernstein Research drohen einigen der großen Pharmaunternehmen, darunter Pfizer, Astra Zeneca und Eli Lilly in den Jahren 2011 bis 2015 massive Umsatzverluste, weil einige ihrer Verkaufsschlager den Patentschutz verlieren und damit sofort massive Konkurrenz durch preiswertere Nachahmerprodukte bekommen werden.

Bei Pfizer ist unter anderem der knapp 13 Mrd.. Dollar umsatzstarke Cholesterin-Senker Lipitor betroffenen. „Pfizer muss etwas tun, denn mit dem Patentende für Lipitor droht das Unternehmen ab 2011 knapp ein Viertel seines Umsatz zu verlieren. Beim Gewinn ist der Anteil möglicherweise noch höher, denn Lipitor ist ein reifes Produkt, dass nicht mehr so stark beworben werden muss“, sagt Standard & Poors-Experte Tölke.

Vor diesem Hintergrund könnte eine Übernahme von Wyeth Pfizer stärken, denn Wyeth hatte zuletzt gute wirtschaftliche Erfolge mit dem Impfstoff Prevnar erzielt, der in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres bereits mehr als zwei Mrd. Dollar Umsatz gemacht hat. Ebenfalls sehr erfolgreich ist der gemeinsam mit Amgen vermarktete Entzündungshemmer Enbrel, der von Januar bis September 2008 knapp drei Mrd. Dollar Umsatz einspielte. Auf der anderen Seite hat auch Wyeth einige Rückschläge bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe hinnehmen müssen.

Pfizer (48,6 Mrd. Dollar Umsatz in 2007) gilt in der Pharmabranche als Vertreter der Strategie, durch Megadeals die Wettbewerbsposition zu stärken. 2000 kaufte das Unternehmen für knapp 90 Mrd. Dollar den Konkurrenten Warner-Lambert, 2003 den US–Wettbewerber Pharmacia. Die Finanzierung des Wyeth-Deals sei für Pfizer kein größeres Problem, meint das Wall Street Journal. Danach hat sich Pfizer eine Finanzierung über 25 Milliarden Dollar gesichert und will den Rest aus den eigenen Cash-Reserven zahlen. Ende September hatte Pfizer 25,5 Mrd. Dollar in bar sowie Umlaufvermögen in der Bilanz ausgewiesen. Pfizer und Wyeth würden mit einem Umsatz von mehr als 70 Mrd. Dollar mit Abstand die Nummer eins der Branche bilden.

Der angebliche Kaufpreis von 50 Dollar pro Wyeth-Share wäre gemessen an den Zahlen von 2007 mit etwas mehr als dem Dreifachen des Umsatzes und Zehnfachen des Gewinns deutlich niedriger als bei früheren Deals.

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