Übernahme
Pharmafirma Barr schnappt sich Pliva

Im Wettbieten um den Arzneihersteller Pliva hat sich der US-Konzern Barr endgültig gegen den isländischen Kontrahenten Actavis durchgesetzt. Die Übernahme des kroatischen Wettbewerbers macht das Pharma-Unternehmen Barr zur Nummer drei auf dem Generika-Markt – und macht den Weg frei in den Wachstumsmarkt Osteuropa.

FRANKFURT. Wie Barr am gestrigen Donnerstag mitteilte, dienten die Pliva-Aktionäre Barr bis zum Ende der Angebotsfrist am Mittwoch mehr als 90 Prozent der Anteile an. Das in Woodcliff im US-Bundesstaat New Jersey ansässige Unternehmen wird damit nach Teva und Novartis zur Nummer drei auf dem wettbewerbsintensiven Markt für patentfreie Nachahmermedikamente (Generika).

Da nach kroatischem Recht die Aktionäre ihre Aktien auch schriftlich andienen können, wird Barr nach eigenen Angaben erst in einigen Tagen die genaue Annahmequote publizieren können. Scheitern könne die Offerte jedoch nicht mehr, denn das Angebot sei lediglich an eine Annahmequote von über 50 Prozent geknüpft gewesen. Bis Ende Oktober soll die Transaktion abgeschlossen sein. Die New Yorker Börse reagierte mit einem leichten Kursaufschlag für die Barr-Aktie.

Das monatelange Wettbieten hatte den Preis auf 2,5 Mrd. Dollar getrieben. Das ist etwas mehr als der erwartete Jahresumsatz des zusammengeführten Unternehmens. Mitte September hatte sich Actavis aus dem Bietergefecht zurückgezogen. Ihr Angebot war um gut ein Drittel niedriger gewesen als die Offerte der Amerikaner und wurde vom Pliva-Management als feindlich eingestuft.

Generika sind im allgemeinen deutlich preiswerter als patentgeschützte Medikamente, weil die Hersteller kaum in Forschung und Entwicklung investieren müssen. In den meisten Volkswirtschaften wird die Verordnung dieser Präparate politisch gefördert, um die öffentlichen Gesundheitsausgaben zu reduzieren. Gleichzeitig fordern die Versicherer oder – wie derzeit in Deutschland – der Gesetzgeber ständig Preissenkungen ein, so dass die Branche unter permanenten Druck steht, die Kosten zu senken.

Der bislang nur in den USA tätige Barr-Konzern erkauft sich mit dem kroatischen Wettbewerber den Einstieg in den Wachstumsmarkt Osteuropa. Analysten sehen die industrielle Logik des Deals zudem in möglichen Kostenvorteilen, da das Lohnniveau an den Pliva-Standorten Kroatien und Tschechien weit unter dem der USA liegt.

Aus ähnlichen Erwägungen hatte kürzlich auch der mittelgroße deutsche Generika-Hersteller Stada in Osteuropa zugekauft. In der bislang größten Übernahme der Firmengeschichte hatte das hessische Unternehmen knapp eine halbe Mrd. Euro für den serbischen Wettbewerber Hemofarm bezahlt.

Der Konsolidierungsdruck in der Branche hat die Bewertungen zuletzt gewaltig in die Höhe getrieben. Dabei liegt der Preis für Pliva mit etwas mehr als dem doppelten eines Jahresumsatzes noch im Mittelfeld. Stada zahlte für Hemofarm beinahe den dreifachen Jahresumsatz. Der Schweizer Novartis-Konzern zahlte für den deutschen Hersteller Hexal und die amerikanischen Eon-Labs sogar den 3,8-fachen Jahresumsatz

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