Übernahme
Roche verstärkt Brustkrebsforschung

Im Kampf gegen den Brustkrebs setzt Roche auf Seragon und investiert eine Menge: Der Pharmakonzern kauft die Biotechnologiefirma für rund 1,7 Milliarden Dollar. Die Übernahme soll im dritten Quartal abgeschlossen sein.
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ZürichDer Roche-Konzern baut mit der Übernahme der amerikanischen Biotechnologiefirma Seragon Pharmaceuticals seine Palette an Brustkrebsmedikamenten aus. Die Schweizer zahlen 725 Millionen Dollar in bar, wie Roche am Mittwoch mitteilte. Später können jedoch zusätzlich noch sogenannte Meilenstein-Zahlungen von bis zu einer Milliarde Dollar fällig werden, die von Fortschritten in der Medikamentenentwicklung abhängen. Die kalifornische Forschungsfirma, die in die amerikanische Roche-Tochterfirma Genentech eingegliedert werden soll, arbeitet an der Entwicklung neuartiger, sogenannter selektiv östrogenabbauender Medikamente zur Behandlung von bestimmten Krebserkrankungen.

Bei Brustkrebs hängen Wachstum und Ausbreitung in bis zu 60 Prozent der Fälle vom Hormon Östrogen und vom Östrogenrezeptor ab. Der bei Seragon am weitesten entwickelte Wirkstoff mit der Bezeichnung ARN-810 befindet sich in der ersten Phase der klinischen Erprobung. Er soll Patientinnen helfen, bei denen die Standardtherapie mit Hormonen versagt und die einen Rückfall oder eine Verschlimmerung der Krankheit erlitten. Das Roche-Krebsmedikament Herceptin wird auch gegen Brustkrebs eingesetzt, es verspricht aber nur dann eine Wirkung, wenn das Protein HER2 im Spiel ist. Das gilt nach Einschätzung eines Analysten für etwa ein Viertel der Brustkrebserkrankungen.

Roche gilt als sehr diszipliniert bei Übernahmen. Die letzte große Transaktion fiel in das Jahr 2009, als Roche Genentech für 46,8 Milliarden Dollar vollständig übernahm. Als die Illumina-Aktionäre 2012 mehr als die von Roche gebotenen 6,8 Milliarden Dollar für die Diagnostikfirma wollten, stieg Roche-Konzernchef Severin Schwan aus. Seitdem hat der Konzern seine Schulden reduziert und konzentriert sich auf kleinere Zukäufe. Im Juni kaufte Roche die auf DNA-Sequenzierung spezialisierte Firma Genia Technologies. Der Kaufpreis von bis zu 350 Millionen Dollar umfasst zu mehr als der Hälfte Meilensteinzahlungen. Daneben steigt Roche nach mehr als zehn Jahren wieder in das Geschäft mit Antibiotika ein, in dem es sich Erfahrungen aus der Krebsforschung zunutze machen will. Zusammen mit den Firmen Inception Sciences und Versant Ventures will Roche eine Firma gründen, die Therapien zur Behandlung von Multipler Sklerose entwickeln soll.

Die Barzahlung von 725 Millionen Dollar für Seragon sei hoch angesichts der Tatsache, dass die Firma erst ein Produkt in der klinischen Prüfung habe, erklärten die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Es sei anzunehmen, dass sich Roche sehr viel von dem neuen Wirkstoff verspreche. Immerhin würden Roche und Genentech mit der Übernahme eine große Lücke bei zukünftigen Behandlungsmethoden bei Brustkrebs schließen. An der Börse legte die Roche-Anteile 0,6 Prozent zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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