Übernahme
Schaeffler und Conti müssen improvisieren

Die Autozulieferer Conti und Schaeffler erwägen die Fusion ihrer Autoteile-Sparten. Was sich sinnvoll anhört, könnte auch als Notfallmaßnahme interpretiert werden. Denn die Übernahme von Conti durch die Schaeffler-Gruppe wackelt mehr denn je.

HB HANNOVER. „Die Automotive-Bereiche von Schaeffler und Continental zusammenzuführen ist grundsätzlich eine interessante Idee“, sagte ein Schaeffler-Sprecher. Conti wollte sich nicht äußern.

Hintergrund der Gedankenspiele ist offenbar die schwierige finanzielle Lage von Schaeffler. Kreisen zufolge wird erwogen, dass Schaeffler seine Autozuliefer-Sparte in den hannoverschen Konzern einbringt. Das würde den Wert von Conti erhöhen und die Suche nach Interessenten für Conti-Aktienpakete möglicherweise erleichtern.

Schaeffler kommt durch seine Übernahmeofferte auf 90 Prozent der Conti-Anteile, muss einer Investorenvereinbarung zufolge aber 40 Prozent der Conti-Aktien weiterreichen. Durch den Einstieg von Investoren könnte Schaeffler Kapital erhalten, um seinen gigantischen Schuldenberg abzutragen. Der Kauf der Conti-Aktien kostet die Franken rund zehn Mrd. Euro. „Dass jemand Kapital von außen einbringt, wäre wichtig“, sagte ein Insider am Donnerstag.

„Das ist eine Option, aber ob Schaeffler das wirklich will, weiß ich nicht“, sagte ein anderer mit der Situation Vertrauter zu den Planspielen um die Fusion der Auto-Bereiche. Viele Alternativen würden aber derzeit nicht gesehen. Der Verkauf der Conti Gummisparte gelte angesichts der derzeitigen Marktlage als nicht machbar, hieß es aus dem Conti-Umfeld. Ein Schaeffler-Sprecher sagte dazu: „Wir haben keinen Verkauf der Reifen-Sparte gefordert und werden dies auch weiterhin nicht.“

Branchenexperten sehen die Zusammenlegung der Autoteile-Sparten teilweise mit Skepsis. „Das wird die seit der VDO-Übernahme hohe Komplexität der Conti noch weiter erhöhen“, sagte NordLB-Analyst Frank Schwope. Robert Heberger von Merck Finck erklärte hingegen: „Früher oder später wäre das doch ohnehin zusammen gekommen.“

Schaeffler leidet darunter, dass Conti für 2008 und voraussichtlich auch für 2009 keine Dividende zahlen will. Das hatte Conti am Mittwoch mitgeteilt. Angesichts der schwierigen Finanzlage bei dem fränkischen Familienunternehmen halten sich hartnäckig Gerüchte, Politiker intervenierten derzeit in Brüssel, um eine eine Verzögerung der Conti-Übernahme auf kartellrechtlichem Wege zu erreichen. Das Bundes-Wirtschaftsministerium habe sich nicht dafür eingesetzt, sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag. „Das ist Quatsch“, erklärte der Schaeffler-Sprecher. „Wir sind weiter zuversichtlich, von der EU-Kommission in Phase I die Genehmigung für die Conti-Übernahme zu erhalten.“

Wenn sich die EU-Kommission für eine vertiefte Prüfung des Deals entschließen würde, würde dies Schaeffler einen Zeitgewinn bringen, oder - falls es sich sehr lange hinzieht - den Deal möglicherweise vereiteln. Bislang wird aber damit gerechnet, dass die obersten europäischen Kartellwächter dem Deal am 19. Dezember grünes Licht geben. In diesem Fall würden die Aktionäre Anfang Januar ihr Geld bekommen. Auch durch weitere Aktienkäufe bereits angedienter Continental-Aktien unterstrich Schaeffler sein Interesse. Am Mittwoch kaufte Schaeffler 2,2 Prozent der Conti-Aktien. Damit liegt Anteil nun bei gut 22 Prozent - denn einer Stimmrechtsmitteilung zufolge hatte der Anteil zuvor knapp über 20 Prozent betragen.

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