Übernahme
Tognum begrüßt neues Angebot

Man kommt sich näher: Daimler und Rolls-Royce stocken ihr Angebot für den Dieselmotorenhersteller Tognum auf. Dessen Vorstand findet das gut – und wartet weiter ab.
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Eine Übernahme des Dieselmotorenherstellers Tognum rückt in greifbare Nähe. Daimler und Rolls-Royce sind nach Angaben von Tognum nun doch bereit, ihre gemeinsame Offerte um rund 260 Millionen Euro auf 3,4 Milliarden Euro aufzustocken, wenn die Führung des Friedrichshafener Unternehmens ihren Widerstand gegen eine Übernahme aufgibt. Tognum signalisierte in der Nacht zum Samstag, dass man sich auf dieser Basis einigen könne: „Der Vorstand begrüßt grundsätzlich die Bereitschaft der Bieterin, das Angebot zu erhöhen.“ Noch liege aber schriftlich nichts vor, erst dann werde der Vorstand sich äußern. Der Stuttgarter Autobauer bestätigte lediglich Gespräche mit Tognum. Das sei kurz vor Ende der bis zum 18. Mai laufenden Übernahmefrist normal, sagte ein Sprecher.

Mit dem auf 26 von 24 Euro je Aktie aufgestockten Angebot versuchen Daimler und der britische Motoren- und Turbinenhersteller Rolls-Royce, ein Scheitern der Übernahme in letzter Minute zu verhindern. Denn sie ist an die Bedingung geknüpft, dass die Partner mehr als 50 Prozent der Anteile angeboten bekommen. Daimler hält zwar schon 28,4 Prozent an seiner in Tognum umbenannten früheren Tochter MTU Friedrichshafen. Die bisherige Offerte war aber bei den Tognum-Aktionären auf wenig Resonanz gestoßen. Der Börsenkurs hält sich seit Wochen um 26 Euro.

Tognum-Vorstandschef Volker Heuer hatte sich von Anfang an nicht grundsätzlich gegen die Übernahme gestellt. „Wir würden einen weltweiten Technologieführer für Antriebssysteme und dezentrale Energieerzeugungssysteme schaffen“, hatte er gesagt. Mit finanzstarken Eigentümern im Rücken könne Tognum den Markt aufrollen. Er forderte aber mehr Geld als 24 Euro je Aktie. Zu diesem Preis war die Tognum-Aktie vor knapp vier Jahren an die Börse gebracht werden. Der Vorstand hält seither selbst gut fünf Prozent. Auch große Investoren wie der zuletzt mit neun Prozent beteiligte niederländische Finanzkonzern ING hatten auf eine Erhöhung gedrängt. Nach dem erwarteten neuen Angebot hätten sie nochmals zwei Wochen Zeit, ihre Aktien anzudienen.

Daimler hatte sich lange Zeit gelassen gezeigt: Der Kauf von Tognum sei nicht zwingend notwendig, man werde das Angebot nicht aufstocken. Der Stuttgarter Auto- und Lkw-Hersteller hat aber ein Interesse an der Zukunft eines wichtigen Kunden: Tognum baut Daimler-Motoren in Kräne und Baumaschinen ein. Rolls-Royce hat kürzlich sein Interesse nochmals bekräftigt. Die Briten wollen ihr Geschäft mit Schiffsdieselmotoren und Stromgeneratoren unter der norwegischen Marke „Bergen“ in das Unternehmen vom Bodensee einbringen.

Wie weit Daimler und Rolls-Royce mit ihrem Gebot von 26 Euro kommen, bleibt aber offen. Zahlreiche Tognum-Investoren hatten im Vorfeld öffentlich teilweise mehr als 30 Euro gefordert. Ein Banker sagte Reuters: „Mit 26 Euro müsste man genügend Interesse wecken können, um auf eine Mehrheit zu kommen.“ Um später einen Beherrschungsvertrag schließen zu können, sind aber 75 Prozent nötig – um das Friedrichshafener Unternehmen von der Börse zu nehmen, sogar 95 Prozent.

Der niederländische Versicherer Delta Lloyd, der rund 1,5 Prozent an Tognum hält und ebenfalls eine Aufstockung gefordert hatte, kommt nun ins Grübeln: „Wir haben uns noch nicht entschieden, ob wir für 26 Euro einschlagen. Eigentlich ist das angesichts der Synergien noch nicht genug“, sagte Fondsmanager Edwin Slaghekke der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die Tognum-Aktie hatte am Freitag mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 26,05 Euro geschlossen.

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