Übernahme von Arcelor
Mittal hat Rechnung ohne Brasilianer gemacht

Fast 27 Mrd. Euro lässt sich der indische Stahlunternehmer Lakshmi Mittal die Fusion seines Unternehmens mit dem Luxemburger Konkurrenten Arcelor kosten – 40 Prozent mehr als ursprünglich veranschlagt. Nun könnte der Milliardär nochmal zur Kasse gebeten werden und das nicht zu knapp.

mjh/abu/HB SAO PAULO/DÜSSELDORF. Die brasilianische Börsenaufsicht CVM gab am Mittwoch der Forderung von Minderheitsaktionären der Arcelor-Tochter Arcelor Brasil statt, die Mittal zur Abgabe eines Übernahmeangebots gedrängt hatten. Nach Einschätzung von Beobachtern, müsste Mittal für die Komplettübernahme von Arcelor Brasil zwischen 2 und 4,4 Mrd. Euro aufwenden, nachdem der Stahlkonzern bereits 26,8 Mrd. Euro für die Arcelor SA bezahlt.

Mittal kündigte nach Bekanntwerden der Entscheidung an, Einspruch einzulegen. Es sei kein Pflichtangebot abzugeben, weil sich die Kontrolle bei Arcelor nicht geändert habe. Um den Widerstand Arcelors zu brechen, hatte Mittal sein ursprüngliches Angebot um mehr auf 40 Prozent aufgestockt. Deshalb wird Mittal an dem neuen Konzern auch nicht – wie zunächst geplant – die Mehrheit, sondern nur einen Anteil von 43,5 Prozent halten. Durch die Fusion unter Gleichen sei eine neue Lage entstanden, argumentiert Mittal: „Weil die Arcelor-Aktionäre einen Anteil von gut 50 Prozent halten, sind die Kontrollverhältnisse unverändert“, sagte eine Mittal-Sprecherin.

„Faktische Übernahme“

Die Börsenaufsicht in Brasilien sieht dies anders. Mittal habe durch die Fusion indirekt eine Kontrolle über das brasilianische Unternehmen erhalten. Deshalb sei ein Angebot an die Minderheitsaktionäre gemäß brasilianischem Recht erforderlich. Corporate-Governance-Experte Christian Strenger von der Fondsgesellschaft DWS Investment stimmt dem zu: „Der Augenschein spricht dafür, dass Mittal faktisch die Kontrolle über den Konzern hat. Dies würde in vielen anderen Ländern ein Abfindungsangebot an die Aktionäre von Tochtergesellschaften auslösen.“

Aktionäre von Arcelor Brasil fordern, Mittal müsse dieselbe Prämie für Arcelor Brasil bezahlen, die der Konzern für die Mutter Arcelor SA geboten habe. Arcelor ist mit 66 Prozent an der Tochter in Brasilien beteiligt.

Ende Juni hatten sich Arcelor und Mittal nach sechsmonatiger Übernahmeschlacht auf eine Fusion unter Gleichen geeinigt. In einem ersten Schritt wird Mittal nun alle Aktien der Luxemburger Arcelor SA übernehmen. 92 Prozent der Arcelor-Aktionäre haben der Übertragung ihrer Aktien an Mittal bereits zugestimmt. Bis zum Frühjahr 2007 soll Mittal dann auf Arcelor verschmolzen werden. Der neue Branchenprimus Arcelor Mittal wird dreimal so groß sein wie der nächste Konkurrent Nippon Steel.

Eine Perle

Erst im vergangenen Jahr hatte Arcelor den Großteil seiner brasilianischen Aktivitäten unter dem Dach von Arcelor Brasil gebündelt und an die Börse in São Paulo gebracht. Der größte Stahlhersteller Südamerikas ist mit einer Börsenkapitalisierung von umgerechnet 6,5 Mrd. Euro die wertvollste Stahlaktie des Kontinents. Für die Kapitalmärkte wäre eine Einstellung der Börsennotiz ein schwerer Rückschlag, heißt es in Finanzkreisen in Sao Paulo. Die wichtigsten Minderheitsaktionäre von Arcelor Brasil sind die Entwicklungsbank BNDES sowie der Pensionsfonds der staatlichen Bank Banco do Brasil.

Arcelor Brasil ist eine Perle von Arcelor. Der hochprofitable Stahlhersteller lieferte zuletzt ein Drittel des Konzerngewinns.

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