Übernahme von Atys untersagt
Kartellamt macht Südzucker Strich durch die Rechnung

Das Bundeskartellamt hat der österreichischen Südzucker-Beteiligung Agrana Zucker und Stärke AG untersagt, den französischen Frucht- und Zuckerverarbeiter Atys zu übernehmen. Südzucker will sich mit der Entscheidung aber nicht abfinden.

HB BONN/STUTTGART. Der Zusammenschluss hätte auf dem relevanten Markt zu einer gemeinsamen marktbeherrschenden Stellung von Agrana/Atys und dem Marktführer Zentis aus Aachen geführt, begründete das Kartellamt am Montag seine Entscheidung. Gemeinsam würden das fusionierte Unternehmen und die Franz Zentis KG einen Marktanteil von über 70 % bei Fruchtzubereitungen für die Weiterverarbeitung etwa in Joghurts oder Backwaren halten. Mit einem nennenswerten Wettbewerb untereinander, aber auch mit Dritten sei daher nicht mehr zu rechnen. Überdies verfüge Agrana mit Hilfe seines Großaktionärs über einen guten Zugang zum Beschaffungsmarkt für Zucker. Für ein Oligopol sprächen auch der stagnierende Markt und die Homogenität der Produkte. Fruchtzubereitungen sind etwa Fruchtstückchen in Speisejoghurts.

Ein Südzucker-Sprecher bezeichnete die Kartell-Entscheidung als „völlig unverständlich“ und kündigte an, dagegen Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf einzulegen. Das Kartellamt habe zuvor signalisiert, dass es für die Übernahme kein Problem sehe. „Die Aussage ist fachlich nicht haltbar und wir werden sie deshalb bekämpfen“, sagte eine Agrana-Sprecherin in Wien. Die Kartellbehörden in Frankreich und Ungarn hätten der Übernahme bereits zugestimmt. Insgesamt muss die Übernahme in acht Staaten von den jeweiligen Behörden genehmigt werden. Für Südzucker ist das Frucht-Geschäft ein wichtiger Bestandteil beim Ausbau seines Spezialitäten-Geschäfts.

Das Amt veranschlagt den Markt für Fruchtzubereitungen nach Agrana-Angaben in dem Bescheid auf jährlich 220 000 Tonnen. 42 bis 47 % davon entfielen auf Zentis, Atys komme auf 18 bis 23 %. Es folgen drei weitere Wettbewerber mit weniger als zehn Prozent, darunter die österreichische Steirerobst, bei der sich Agrana im vergangenen Jahr eingekauft hatte. Atys betreibt nach Agrana-Angaben in Deutschland zwei Werke in Nauen und in Konstanz, die jeweils als Gemeinschaftsfirmen mit einem Schweizer Konkurrenten geführt werden und zusammen rund 40 Mill. € Umsatz erwirtschaften.

Mit der Übernahme von Atys, die in vier Stufen bis 2006 von statten gehen soll, würde die Agrana ihren Umsatz um 50 % ausbauen und die Frucht-Sparte zum einem dritten Standbein neben Zucker und Stärke zu machen. Atys ist mit einem Umsatz von rund 400 Mill. €, einer Produktion von 1,1 Mill. Tonnen und einem Marktanteil von 30 % der weltgrößte Hersteller von Fruchtzubereitungen. Das Unternehmen gehört bislang zu 82 % dem Finanzinvestor Butler Capital Partners und zu 15 % dem Management, die es 2002 von Pernod-Ricard übernommen hatten.

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