Übernahme von Schering
Bayer-Chef beruhigt Mitarbeiter

Der Chemiekonzern Bayer hat mit seiner milliardenschweren Übernahmeofferte für den Berliner Pharmahersteller Schering Erfolg gehabt. Das Geschäft kostet die Leverkusener jedoch gut 400 Mill. Euro mehr als erwartet. Bayer-Chef Werner Wenning hat ein einfaches Rezept, wie er die Mehrkosten wieder reinholen will.

HB FRANKFURT. Die Schering-Übernahme kostet Bayer nach eigenen Angaben vom Mittwoch knapp 16,9 Mrd. Euro und damit 2,5 Prozent mehr als die veranschlagten 16,5 Mrd. Euro. Das gelte unter der Voraussetzung, dass Bayer alle noch ausstehenden Aktien zum Preis von je 89 Euro erwerben könne, sagte der Wenning auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Bayer und Schering in Berlin. Der durchschnittliche Kaufpreis je Aktie würde sich von ursprünglich 86 auf dann 88,10 Euro erhöhen. Bei einem Transfer dieser Dimension und angesichts der nachhaltigen Bedeutung für Bayer seien Mehraufwendungen in dieser Größenordnung gerechtfertigt, sagte Wenning weiter.

Wenning bemühte sich, die Sorgen der Beschäftigten des Berliner Pharmakonzerns vor einem zusätzlichen Arbeitsplatzabbau zu zerstreuen. Er sei zuversichtlich, dass die Leistungsfähigkeit des neuen gemeinsamen Unternehmens den Zusatzaufwand mehr als kompensieren könne. "Nicht zuletzt unter diesem Aspekt halte ich nichts von der Diskussion über den Abbau weiterer Arbeitsplätze", sagte Wenning. Die Mehrkosten nach dem Bieterduell seien verkraftbar, so dass es keinen Grund für einen stärkeren Abbau gebe als geplant. Ganz ohne Stellenabbau wird die Übernahme allerdings nicht vonstatten gehen. Bayer-Chef Werner Wenning hatte bereits vor Monaten angekündigt, dass in beiden Unternehmen 6 000 der 60 000 Arbeitsplätze gefährdet seien.

Bayer hat inzwischen die Kontrolle über 88 Prozent der rund 191 Millionen ausstehenden Schering-Aktien erlangt. Damit hat sich der Konzern die Dreiviertelmehrheit gesichert, die eine wesentliche Bedingung für die Offerte war. Im Rahmen des Übernahmeangebots seien Bayer bis zum Ablauf der Annahmefrist am 14. Juni 87,3 Millionen Schering-Aktien zum Kauf angedient worden, also 45,7 Prozent, hatte Bayer am Dienstagend mitgeteilt. Darüber hinaus habe Bayer bis zum Stichtag 77,8 Millionen oder 40,7 Prozent der ausstehenden Aktien selbst gekauft, teilte das Unternehmen mit. Die verbliebenen Schering-Aktionäre könnten nun ihre Aktien noch innerhalb einer weiteren Annahmefrist bis zum 6. Juli um Mitternacht andienen. Bayer halte daran fest, Schering vollständig übernehmen zu wollen.

Der Darmstädter Rivale Merck hatte vergangene Woche den Verkauf seiner rund 22-prozentigen Schering-Beteiligung an Bayer angekündigt und damit den Weg frei gemacht für die größte Übernahme in der mehr als 140-jährigen Bayer-Firmengeschichte.

Bayer-Manager Arthur Higgins wird die künftige Konzerntochter Bayer Schering Pharma von Berlin aus führen. Der Leiter der Bayer-Gesundheitssparte Health-Care werde den Posten des Vorstandschefs der Firma übernehmen, in die die Berliner Schering eingebracht werden soll, bestätigten Schering und Bayer. Higgins solle einen aus fünf Mitgliedern bestehenden Vorstand führen, dem zwei Schering-Manager angehören. Schering-Chef Hubertus Erlen wird stellvertretender Aufsichtsratschef, Bayer-Chef Werner Wenning übernimmt dort den Vorsitz.

Von Schering werden die Vorstände Ulrich Köstlin und Marc Rubin im Vorstand vertreten sein - Rubin für Forschung und Entwicklung, Köstlin unter anderem für die Diagnostik und die Gynäkologie. Die Bayer-Führungskräfte Gunnar Riemann und Werner Baumann werden für Krebsforschung und Organisation zuständig sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%