Übernahme von TRW Automotive ZF Friedrichshafen will am ganz großen Rad drehen

Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen will offenbar den US-Konkurrenten TRW Automotive übernehmen. Damit würde der Konzern weltweit zur Nummer drei. Der Deal wäre gleich unter mehreren Aspekten ein kluger Schachzug.
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Bei Antriebstechnik ist ZF Friedrichshafen heute schon führend.

Bei Antriebstechnik ist ZF Friedrichshafen heute schon führend.

FriedrichshafenGerade schien es, als sei die ganz große Übernahmewelle unter den Automobilzulieferern abgeebbt, da deutet sich ein Deal an, der den deutschen Zulieferer ZF Friedrichshafen auf Anhieb zu einem der größten Automobilzulieferer der Welt machen könnte. Die Schwaben haben den US-Konkurrenten TRW Automotive wegen einer Übernahme kontaktiert, bestätigte ein ZF-Sprecher am späten Donnerstagabend. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Aus Finanzkreisen heißt es, dass Goldman Sachs den Deal betreuen soll.

Auch TRW bestätigte, ein vorläufiges Übernahmeangebot erhalten zu haben, ohne den Namen des Kaufinteressenten zu nennen. Der Zulieferer aus der Nähe von Detroit wird an der Börse mit mehr als 11 Milliarden Dollar (8 Milliarden Euro) bewertet. Damit wäre eine Übernahme der größte Deal der Branche seit 2007. Damals übernahm Continental die Sparte VDO Automotive von Siemens für etwa 11,4 Mrd. Euro. Nach Bekanntwerden des Kaufinteresses stieg die TRW-Aktie um mehr als acht Prozent.

Nicht nur die Börsianer halten die Übernahme für einen klugen Schritt. Denn das niedrige Zinsniveau macht die Übernahme günstig. Unternehmenspolitisch scheint sie ohnehin vernünftig: Gerade die Größe gilt als entscheidender Vorteil im internationalen Wettbewerb. Das deutsch-amerikanische Duo würde mit einem Umsatz von 29,86 Milliarden Euro zum drittgrößten Autozulieferer der Welt aufsteigen – in eine Liga mit Bosch und Denso. Durch eine Übernahme wäre auch die Kundenstruktur differenziert, kaum ein Autobauer könnte auf Bauteile des deutsch-amerikanischen Doppels verzichten.

Mit der wachsenden Automobilindustrie, insbesondere in Asien, wachsen auch die Herausforderungen für die Zulieferer. Insbesondere bei großen Bauteilen wie Getrieben müssen Zulieferer die Nähe zu den Automobilbauern suchen - und notfalls den Schritt ins Ausland wagen. Insbesondere große Zulieferer mit einem globalen Netz aus Produktionsstätten haben da einen Vorteil.

Darum will ZF den Umsatz bis 2025 verdoppeln und sich deutlich globaler aufstellen. Derzeit macht das Unternehmen noch etwa die Hälfte seiner Erlöse in Europa. Das US-Geschäft macht derzeit gerade einmal 18 Prozent des Umsatzes aus – obwohl der Automarkt deutlich wächst. Erst im vergangenen Jahr hatte ZF darum ein neues Getriebewerk in South Carolina eröffnet.

Was die Mitarbeiterzahl angeht, sind die beiden Firmen etwa gleich groß. ZF hatte Ende 2013 rund 73.000 Mitarbeiter. TRW fuhr zuletzt mit zuletzt 67.000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von umgerechnet 12,8 Milliarden Euro ein. Größte Märkte sind Europa und Nordamerika mit jeweils um die 40 Prozent, in Deutschland hat das US-Unternehmen 18 Werke und beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter. Mit einem Umsatz von 70,1 Milliarden Euro gehört die Autozuliefererbranche zu den wichtigsten Industriezweigen der Republik und beschäftigt fast 291.000 Menschen.

„Mutig, aber richtig“
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