Übernahme von Valentino
Briten greifen nach Hugo Boss

Der britische Finanzinvestor Permira ist auf dem besten Weg, die Mehrheit an der italienischen Modefirma Valentino zu übernehmen. Damit würde die Private-Equity-Gesellschaft auch die deutsche Modeikone Hugo Boss kontrollieren, die zu Valentino gehört. Im Hintergrund läuft sich allerdings ein zweiter Bieter warm.

HB/kk MAILAND. Permira teilte am späten Donnerstag mit, mit weiteren Mitgliedern der Marzotto-Familie exklusiv über den Erwerb von deren 24-prozentiger Valentino-Beteiligung zu sprechen. Die italienische Textil- und Bekleidungsgruppe Marzotto hatte ihre Modesparte im Jahr 2005 unter dem Namen Valentino abgespalten. Am Mittwoch hatte Permira bereits ein Aktienpaket über 29,6 Prozent von der Holding International Capital Growth (ICG) der Marzotto-Familie übernommen. Dafür haben die Briten nach eigenen Angaben 782 Mill. Euro gezahlt.

Insgesamt bewertet Permira die börsennotierte Valentino Fashion Group mit rund 2,6 Mrd. Euro. Die Briten würden damit auch die Kontrolle über die deutsche Marke Hugo Boss übernehmen, an der Valentino 50,9 Prozent des Grundkapitals, aber 78,8 Prozent der Stimmrechte hält.

Um Valention mit Sitz im norditalienischen Valdagno war in den vergangenen Tagen ein regelrechter Übernahmekampf ausgebrochen. Permira hat mit dem Kauf des Aktienpakets den US-Konkurrenten Carlyle ausgestochen. Dieser kündigte aber an, ein eigenes Angebot zu prüfen. So sollen die Amerikaner unter anderem mit der Finanzholding Canova verhandeln, die dem Valentino-Präsidenten Antonio Favrin gehört und 19,7 Prozent der Anteile kontrolliert. Allerdings müssten die Amerikaner dann deutlich mehr als die 36 Euro je Aktie plus Dividende bieten, die Permira auf den Tisch legt.

Hugo Boss

Gelingt einem der beiden Investoren die Übernahme von Valentino, hat er somit auch bei Hugo Boss das Sagen. Der Metzinger Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund drei Viertel der gesamten Einnahmen des italienischen Konzerns von 2 Mrd. Euro. Am operativen Gewinn von 230 Mill. Euro ist Hugo Boss mit 184 Mill. Euro beteiligt. Die Italiener haben auch andere Marken wie Marlboro Classics unter ihren Fittichen und entwirft Kleider für Hollywood-Stars. Hugo Boss ist mit Herrenmode groß geworden, verbuchte jedoch zuletzt auch mit Damenmode kräftiges Wachstum. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres machte die Firma einen Umsatz von 500 Mill. Euro.

Die Valentino-Aktie legte am Donnerstag um fast 5 Prozent zu, die Stammaktien von Hugo Boss sogar um mehr als 6 Prozent. Gaetano Marzotto von der ICG sagte am Donnerstag: „Das Szenario ist interessant. In diesem Moment ist alles offen, die einzige sichere Sache ist die zwischen Permira und ICG.“

In der Vergangenheit war es sowohl innerhalb der Marzotto-Familie als auch zwischen dieser und Valentino-Präsident Favrin zu Auseinandersetzungen gekommen – dabei ging es sowohl um Erbfragen als auch um Probleme mit der Ausrichtung des Unternehmens.

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