
MÜNCHEN/FRANKFURT/HAMBURG. Eigentlich, so hat es der Mehrheitseigner Volkswagen beschlossen, soll Scania-Konzernchef Leif Östling dem Münchener Rivalen MAN noch in diesem Jahr ein Übernahmeangebot machen.
In gewisser Weise wäre das ein sogenannter Reverse Take-over, also eine ins Gegenteil verkehrte Übernahme. Denn noch vor fünf Jahren sollten die Schweden von MAN geschluckt werden. Großaktionär Volkswagen will nun den Spieß umdrehen. VW hält 29 Prozent an MAN und 70 Prozent der Scania-Stimmen. Seit Jahren feilt Volkswagens Patriarch Ferdinand Piëch an dem Plan, unter dem VW-Dach einen schlagkräftigen Lastwagenhersteller zu formen, der es weltweit mit Daimler und Volvo aufnehmen kann.
Eigentlich könnte der Deal zügig abgewickelt werden, schließlich dominiert Volkswagen die Aufsichtsräte bei Scania und MAN. Doch jetzt, quasi auf den letzten Metern, sind Risiken aufgetaucht, die Volkswagen vor der geplanten und beschlossenen Konsolidierung seiner Beteiligungen zurückschrecken lassen. Und die somit die gesamte Lkw-Strategie infrage stellen.
Der erste Stolperstein heißt Ferrostaal. Eigentlich hatte MAN das in einen der größten Schmiergeldskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte verwickelte Unternehmen an den arabischen Staatsfonds IPIC verkauft, nur 30 Prozent liegen noch bei MAN. Doch seitdem die Münchener Staatsanwaltschaft in der Korruptionsaffäre ermittelt, drohen die Araber mit Rückabwicklung.
Ein Schiedsverfahren läuft zwar, aber die finanziellen Folgen der Affäre sind für MAN nicht mehr absehbar. "Dieses Risiko kann Volkswagen nicht auf Scania übertragen", heißt es in Verhandlungskreisen. Im Klartext bedeutet das: Solange der Rechtsstreit läuft, liegt die Übernahme auf Eis. Bis zu einem Richterspruch können jedoch noch Jahre vergehen.
Sprengkraft steckt zudem in den Untersuchungen der EU-Kommission, die Mitte Januar die führenden sechs europäischen Lkw-Hersteller durchsuchen ließ, darunter auch MAN und Scania. Die Kommission wirft der Branche vor, in der Wirtschaftskrise Lkw-Preise abgesprochen zu haben.