Übernahmeangebot
Alstom tendiert zu General Electric

Im Bieterwettbewerb zwischen Siemens und General Electric um den französischen Industriekonzern Alstom scheinen die Amerikaner die Nase vorn zu haben. Siemens muss auf Hilfe der französischen Regierung hoffen.
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ParisAlstom-Chef Patrick Kron wirkte trotz seiner ewigen Bräune und der vielen Lachfalten um die Augen am Mittwoch morgen reichlich gestresst. Dazu hat er allen Grund, seit Tagen hagelt es Kritik, weil er seinen Konzern an General Electric verkaufen will. Vom Staat, den Alstom-Angestellten, den Gewerkschaften und in französischen Medien wird er gar als „Totengräber“ beschimpft. Ihm gegenüber saß bei einem Pressefrühstück mit internationalen Journalisten in Paris der strahlende General-Electric-Chef Jeff Immelt und wirkte sehr siegesbewusst, überhaupt nicht angespannt.

Beide Firmenchefs wollen erklären, warum die Übernahme des Energiebereiches durch GE die beste Lösung für Alstom sei. Immelt betonte: „Es ist ein guter Deal für Alstom und GE.“ Fachlich ergänze man sich gut. Er fügte hinzu: „Es ist auch gut für das Land, wir hatten konstruktive Gespräche mit der Regierung.“ Vier große Zentren sollen entstehen, Arbeitsplätze geschaffen werden. Kron betonte, man habe schon länger eine Lösung gesucht: „Alstom hat kein kurzfristiges Problem. Der Konzern verdient Geld. Aber mittelfristig ist es die beste Lösung.“

Der Franzose wehrte sich, er habe nichts gegen Siemens. „Das hat nichts mit Anti-Germanismus zu tun“, betonte er. In seiner Umgebung heißt es, er wolle sich lieber auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen, als einen Zusammenschluss mit Siemens. Offenbar befürchtet er bei einer Allianz mit Siemens, dass zu viele Arbeitsplätze wegfallen, weil die Unternehmen sich zu ähnlich sind.

Mittlerweile ist Kron mit seinen Äußerungen vorsichtig geworden, er antwortete nicht darauf, wann die französische Regierung von dem Projekt erfahren habe und ob Frankreich den GE-Deal über 12,35 Milliarden Euro noch blockieren könnte. Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte erklärt, Kron habe ihm nicht die Wahrheit über die Verhandlungen gesagt : „Muss der Wirtschaftsminister immer einen Lügendetektor für die Chefs des CAC 40 im Büro haben?“ Der Alstom-Chef lehnte jede Anschuldigung ab und betonte: „Ich stehe zu meinen Entscheidungen.“ Der Staat habe von Überlegungen um die Zukunft von Alstom gewusst. Die Verhandlungen mit der Regierung hätten nun begonnen. Immelts Version dazu: „Es ist ein normaler Prozess.“ Die Verhandlungen liefen nach den geltenden Regeln ab.

Das Treffen der beiden Firmenchefs wirkte schon wie der Beginn einer zukünftigen Zusammenarbeit. In einem Kommuniqué hatte der Alstom-Konzern am Mittwoch morgen allerdings eine Bedenkzeit von einem Monat angekündigt. Doch der Aufschub von einem Monat erscheint eher wie eine Kosmetik in Richtung der französischen Regierung, die eine Verzögerung gefordert hatte.

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Siemens muss auf die Regierung hoffen

Kommentare zu " Übernahmeangebot: Alstom tendiert zu General Electric"

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  • Nachtrag: wollen wir hoffen, daß Siemens so glücklich davonkommt wie die deutsche Börse, bei der beide Fusionsversuche (Euronext, NYSE-Euronext) glücklicherweise fehlschlugen.

  • "Siemens" sollte sich bequem zurücklehnen und lächelnd zuschauen, wie sich Hauptkonkurent GE an der französischen Firma verhebt und die beiden Partner sich künftig gegenseitig herunterziehen. Erfahrungsgemäß funktionieren Fusionen von Firmen beider Länder nicht - US-Amerikaner und Franzosen sind im Wirtschaftsbereich nicht kompatibel.

  • Zitat : Siemens muss auf Hilfe der französischen Regierung hoffen.

    - oder SIEMENS wird als Preistreiber für ALSTOM mißbraucht.

    Das würde man dem Deutschen Kranken Großkonzern noch zumuten !

    Wenn 2 Kranke, Siemens und Alstom zusammengehen, verrecken beide !

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