Übernahmeangebot
Nur einer will British Energy

Die Hoffnungen der britischen Regierung auf einen preistreibenden Bieterwettkampf um British Energy sind geschwunden. Nur der französische Staatskonzern EdF hat nach Informationen aus Finanzkreisen bisher ein Übernahmeangebot für den Atomkraftwerkbetreiber abgegeben. British Energy hält jedoch die Tür für weitere Interessenten offen.

LONDON. Auch wenn am Freitag eine Frist für erste Angebote abgelaufen ist: Mehrere potenzielle Bieter arbeiteten noch an Offerten, hieß es in den Finanzkreisen.

British Energy ist der größte Stromproduzent Großbritanniens und Betreiber von acht der zehn Kernkraftwerken des Landes. Doch nicht das macht das Unternehmen interessant, sondern die Schlüsselrolle, die es beim Bau neuer Anlagen spielt. Diese werden aller Voraussicht nach direkt neben alten Atomkraftwerken errichtet werden. Die britische Regierung, die mit gut 35 Prozent an British Energy beteiligt ist, unterstützt den Bau neuer Atomkraftwerke durch private Investoren. Sie ist bereit, sich von ihrem Anteil an British Energy zu trennen, wenn der Vorstand einen Käufer gefunden hat.

Ende vergangener Woche zog sich der deutsche Energiekonzern RWE aus dem Bieterverfahren zurück. Er galt bis dahin als ernsthaftester Konkurrent für EdF. Auch die spanische Iberdrola, die den britischen Stromversorger Scottish Power gekauft hat, wurde in Branchenkreisen als Interessent gehandelt. Sie hat sich bisher nicht erklärt. Interesse an einer Beteiligung an British Energy hat auch der führende britische Strom- und Gasversorger Centrica. Er hat Branchenkreisen zufolge eine Übernahme per Aktientausch vorgeschlagen, schätzt die Chancen dafür aber selber als gering ein. Centrica hoffe auf ein Bündnis mit einem ausländischen Bieter, hieß es in den Kreisen. Allein könne der Konzern die nötigen Finanzmittel nicht aufbringen.

Die Zurückhaltung potenzieller Käufer drückt den Aktienkurs des Unternehmens. Er war im April bis auf 785 Pence gestiegen, fiel aber nun unter 700 Pence zurück. Das Angebot von EdF liegt nach Angaben aus Finanzkreisen deutlich unter dieser Marke. Damit ist die erhoffte Bewertung von mehr als elf Mrd. Pfund (14 Mrd. Euro) unrealistisch geworden.

Für weitere Irritationen sorgte die Bestätigung, dass EdF Land gekauft hat, das an zwei britische Kernkraftwerke angrenzt. Der Konzern teilte mit, er hoffe, dort neue Werke bauen zu können.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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