Übernahmeangebot
Porsche trickst VW-Aktionäre aus

Porsche hat institutionelle Investoren und Privatanleger mit einem Übernahmeangebot für VW überrascht, zugleich aber auch enttäuscht. Denn dank eines geschickten Schachzugs kann der Sportwagen-Bauer seinen Anteil merklich aufstocken, ohne viel zahlen zu müssen. Und dass Porsche bei VW nach Höherem strebt, scheint klarer denn je.

STUTTGART/FRANKFURT. Der Stuttgarter Konzern kündigte am Wochenende an, seinen VW-Anteil von 27,3 auf 31 Prozent zu erhöhen. Am Montagmorgen folgten Taten: Porsche sicherte sich weitere 3,6 Prozent der Aktien, wie das Unternehmen mitteilte. Nach dem geltenden Übernahmerecht unterbreitete Porsche den übrigen VW-Aktionären zugleich ein Pflichtangebot, das beim Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle fällig wird. Mit der ebenfalls gesetzlich festgelegten Mindesthöhe von 100,92 Euro liegt es jedoch deutlich unter dem letzten Börsenkurs von 117,70 Euro.

Viele Anleger waren in den letzten Wochen bei VW eingestiegen, weil sie im Zuge der Porsche-Pläne mit höheren Kursen gerechnet hatten. Porsche setzt aber auf ein Scheitern des Pflichtangebots. „Eine Komplettübernahme ist derzeit nicht beabsichtigt“, sagte ein Porsche-Sprecher. „Das Angebot hat lediglich formalen Charakter“, sagte Auto-Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank. Porsche schaffe damit die Grundlage, die Beteiligung an VW künftig still und heimlich weiter auszubauen.

Umbau bei Porsche

Nach dem deutschen Aktiengesetz muss Porsche erst wieder Farbe bekennen, wenn der Konzern 50 Prozent der Anteile an VW erreicht. Der Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch legt damit einen weiteren raffinierten Schachzug im Machtpoker um VW vor. Mit einer neuen Holding-Struktur bei Porsche bereitet der Enkel des Unternehmensgründers jetzt offenbar die endgültige Machtübernahme bei VW vor.

Neben der weiteren Aufstockung ihrer VW-Anteile hat Porsche am Wochenende angekündigt, die Führung ihrer Beteiligungen künftig vom Automobilgeschäft zu trennen. Dazu sollen die Beteiligungen in einer Holding gebündelt werden. Diese neue Gesellschaft werde in Form einer europäischen Aktiengesellschaft Societas Europaea (SE) von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter geführt und ihren Sitz im Großraum Stuttgart haben, sagte ein Porsche-Sprecher. Den gesellschaftsrechtlichen Umbau soll eine außerordentliche Hauptversammlung voraussichtlich im Juni beschließen.

Porsche schafft damit die Voraussetzungen, um auch bei einer späteren Mehrheitsübernahme des Wolfsburger VW-Konzerns das operative Geschäft des Sportwagenbauers getrennt zu führen, wie Auto-Analyst Stürzer von der Hypo-Vereinsbank sagte. Zudem werde durch die Rechtsform einer europäischen Aktiengesellschaft die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder niedrig gehalten und die dominierende Rolle der Familien Piëch und Porsche, die das Unternehmen bisher kontrollieren, auch für die Zukunft festgeschrieben. Ein Porsche-Sprecher betonte allerdings, dass sich die neue Holding den Regeln der Arbeitnehmermitbestimmung unterwerfen werde. Erst Mitte März hatte der Chemiekonzern BASF als dritter Dax-Vertreter nach Allianz und Fresenius eine Umwandlung in eine SE angekündigt und damit die Gewerkschaft IG BCE auf den Plan gerufen, die um ihren Einfluss bangt.

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