Übernahmeboom heizt Preise an
GE bereitet den nächsten großen Verkauf vor

Der führende Mischkonzern General Electric (GE) kann mit einem hohen Transfererlös für seine zum Verkauf stehende Kunststoffsparte GE Plastics rechnen. Medienberichten zufolge haben kurz vor der ersten Auktionsrunde zahlreiche Bieter ihr Interesse angemeldet. Sie könnten den Preis auf mehr als zehn Mrd. Dollar treiben.

ebe / shf NEW YORK. Zu den potenziellen Käufern gehören nicht nur große US-Finanzinvestoren wie Blackstone und Apollo, sondern auch ambitionierte Firmen aus dem Nahen Osten und Asien. Deren finanzielle Schlagkraft ist nicht zu unterschätzen: GE soll bereits ein Angebot von Saudi Basic Industries (Sabic) über zwölf Mrd. Dollar vorliegen haben, berichteten mehrere Zeitungen unter Berufung auf Finanzkreise.

Der Verkauf einer renommierten US-Firma nach Saudi-Arabien oder Indien dürfte eher auf politische Hürden stoßen – wie zuletzt im Falle des Hafenbetreibers Dubai Ports World – als auf finanzielle: Die zu 70 Prozent staatliche Sabic gehört zu den größten Chemiefirmen der Welt und wird an der Börse mit mehr als 100 Mrd. Dollar bewertet. Auch der größte börsennotierte Konzern Indiens, Reliance Industries, soll zu den Interessenten gehören.

Die Liste der potenziellen Käufer untermauert den Trend, dass Firmen aus dem Nahen Osten und Asien zunehmend aktiv in die Globalisierung eingreifen und wie im Falle Saudi-Arabien ihre Öl-Milliarden in anderen Branchen anlegen. Zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass eine Investorengruppe vom Golf gemeinsam mit dem Private-Equity-Haus Kohlberg Kravis Roberts 50 Mrd. Dollar für Dow Chemical bietet. Informationen des „Wall Street Journal“ zufolge soll der US-Konzern die Offerte jedoch abgelehnt haben.

Unübersehbar ist, dass die Welle von Offerten und Übernahmen die Preise nach oben treibt. Die Größenordnung von zwölf Mrd. Dollar für GE Plastics gilt in der Branche als sehr ambitioniert, weil sie dem eineinhalbfachen Umsatz der Firma entspricht. Die meisten Chemiekonzerne, darunter vergleichbar ertragsstarke wie BASF und Akzo, werden an der Börse mit weniger als dem einfachen Umsatz bewertet. Ein Verkaufserlös oberhalb von neun Mrd. Dollar würde sich positiv auf den Aktienkurs von GE auswirken, sagte Analyst Robert McCarthy von Banc of America Securities.

Experten erwarten Details zu dem Milliardentransfer, wenn GE am heutigen Freitag die Quartalszahlen vorlegt. Den Finanzergebnissen des an der Börse fast 360 Mrd. Dollar teuren Industriegiganten wird regelmäßig Leitfunktion an der Wall Street zugesprochen, weil kein anderer Konzern so breit aufgestellt ist wie GE: Das Unternehmen produziert Glühbirnen, Flugzeugturbinen und Kernkraftwerke, bietet Medizintechnik, Infrastruktur und Finanzdienstleistungen und leitet darüber hinaus den Medienkonzern NBC.

Dabei trennt sich GE konsequent von Sparten, die die hohen Renditevoraussetzungen nicht mehr erfüllen. Der Kunststoffbereich gehört dazu: Der Gewinn von GE Plastics ist 2006 von 867 Mill. Dollar auf 674 Mill. Dollar gesunken. Als Auslöser für den Verkauf gilt bei GE die Sorge, dass Teile des Plastik-Sortiments noch stärker unter Preisdruck geraten könnten.

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