Übernahmegegner kaufen Anteile
Eon schwimmen in Spanien die Felle weg

In Spanien wächst die Front gegen Eons Übernahmepläne für den größten Versorger des Landes, Endesa. Die Gegner der geplanten Übernahme des Energiekonzerns sichern sich immer mehr Anteile – offenbar mit dem Segen der Regierung.

DÜSSELDORF / MADRID. Die Staatsholding Sepi kündigte am gestrigen Mittwoch an, ihre Beteiligung von knapp drei Prozent an Endesa behalten zu wollen. Der spanische Mischkonzern Acciona hat sich inzwischen offenbar weitere Anteile gesichert.

Der deutsche Energiekonzern muss damit zunehmend um die Zustimmung für seine Pläne bangen. Eon-Chef Wulf Bernotat strebt zwar nur einen Anteil an Endesa von 50,01 Prozent an. Allerdings fordert er, dass die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Satzung ändern, die bislang die Stimmrechte eines Aktionärs auf zehn Prozent beschränkt. Das wird umso schwieriger, je mehr Aktien Bernotat im Vorfeld abschreiben muss.

Die Staatsholding Sepi will ihre Anteile an Endesa bis 2008 halten, bestätigte ein Sprecher. Die Holding wollte sich ursprünglich noch 2006 von Anteilen an Endesa und anderen Unternehmen trennen. Im Fall Endesa verwies er ausdrücklich auf den Übernahmekampf. Eon kommentierte dies auf Anfrage nicht.

Während sich die Großaktionäre nach und nach positionieren, kann Bernotat mit seiner Offerte, die Endesa mit 37 Mrd. Euro bewertet, die Aktionäre erst umwerben, wenn sie von den zuständigen Behörden freigegeben ist. Dabei ist die spanische Regierung noch immer nicht der Aufforderung der EU-Kommission nachgekommen, die von der Energieaufsichtsbehörde CNE gegen Eon verhängten Auflagen zu kippen.

Eons größter Widersacher ist der Mischkonzern Acciona, der vor zwei Wochen mit zehn Prozent bei Endesa eingestiegen ist und sich kurz darauf über die Hausbank Santander die Option auf weitere fünf Prozent gesichert hat. Inzwischen hat das Unternehmen seinen Anteil offenbar auf 17 Prozent ausgebaut, berichtet die spanische Zeitung „Cinco Dias“ – und das, obwohl Eon die Offerte um knapp 40 Prozent aufgestockt hat. Acciona-Chef José Manuel Entrecanales versucht zudem, spanische Investoren zu Aktienkäufen zu ermutigen, um den Einstieg Eons zu verhindern – oder den Preis hochzutreiben.

Je mehr Gegner die Fusion hat, desto so wichtiger wäre es für Bernotat, dass er die übrigen Aktionäre mit Unterstützung der Endesa-Führung umwerben kann, heißt es in spanischen Finanzkreisen. Nicht zufällig dürften jetzt Informationen aus Eons Börsenprospekt durchgesickert sein, nach denen der Konzern die Führungsmannschaft von Endesa übernehmen will. Endesa-Präsident Manuel Pizarro soll die Pläne Accionas inzwischen kritisch sehen, heißt es weiter. Er fürchte einen Kursrutsch, sollte Eon das Gebot zurückziehen.

In Finanzkreisen gilt aber auch als sicher, dass Acciona inzwischen die Unterstützung der Regierung hat. Hinter der „Anti-Eon-Front“ soll der Wirtschaftsberater des spanischen Premiers José Luis Rodriguez Zapatero, Miguel Sebastián, stehen. Sebastián, der als möglicher Nachfolger von Wirtschaftsminister Pedro Solbes gehandelt wird, versuche sich darüber zu profilieren.

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