Übernahmegerüchte
Coca Cola greift offenbar nach Bionade

Mut, Chuzpe und ein Sechser im Lotto bereiteten Bionade den Weg auf den Biogetränkethron. Nun soll die Wunderbrause aus dem nordbayerischen Ostheim verkauft werden. Mehrheitsgesellschafter Rhön Sprudel plant unternehmensnahen Kreisen zufolge, seine Anteile an Bionade abzustoßen.

DÜSSELDORF. Damit Verkaufserlöse von bis zu 70 Mio. Euro zu erzielen, wie die Lebensmittelzeitung schreibt. Grund für den Verkauf seien strategische Überlegungen im Zuge laufender Umstrukturierungsmaßnahmen, heißt es. Die Bank Sal. Oppenheim soll bereits eingeschaltet sein, als Interessenten im Gespräch seien Krombacher, Hövelmann, Pepsi - und nicht zuletzt Coca Cola. Der Getränkeriese hatte 2005 bereits versucht, die bayerische Erfolgsbrauerei aus der Rhön zu schlucken. Auch der Inhaber der Bionade-Markenrechte, die Familie Peter-Leipold, soll Interesse signalisiert haben. Bionade wollte die Vorgänge nicht kommentieren, auch CocaCola war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Rhönsprudel hat dagegen den Berichten widersprochen. Eine Veräußerung des 51-Prozent-Anteils an Bionade sei keineswegs geplant, erklärte Rhönsprudel-Geschäftsführer Manfred Ziegler in einem Interview mit der „Fuldaer Zeitung“. Hier liege offenbar eine Verwechslung vor. Richtig sei, dass die Bionade GmbH Partner für den Ausbau ihres internationalen Geschäfts suche. Damit habe Rhönsprudel aber nichts zu tun, betonte Ziegler.

Auch Miteigentümer Peter Kowalsky widersprach den Gerüchten: „Ich bin erstaunt über die Berichterstattung der vergangenen Tage. Wir interessieren uns nicht für kurzfristige Profitmaximierung. Meine Familie hatte und hat keine Ambitionen, sich von der Bionade zu trennen, denn das käme einem Verkauf der Seele des Unternehmens gleich.“

Vor allem die Amerikaner aber versuchen schon seit geraumer Zeit in den Wachstumsmarkt gesunder Erfrischungsgetränke einzusteigen. Nach der missglückten Bionade-Übernahme scheiterte allerdings auch der Versuch, den größten chinesischen Fruchtsafthersteller China Huiyuan Juice zu schlucken am Nein der Kartellbehörden. Erst mit dem jüngsten. Beteiligungscoup am britischen Smoothie-Hersteller Innocent gelang es CocaCola, sich nicht nur beim europäischen Marktführer sondern auch bei einer angesehnen Marke des jungen Segments einzukaufen.

Nun signalisiert der Getränkeriesesie offenbar erneut Interesse an Bionade - dabei funkelt das Juwel der deutschen Getränkelandschaft schon länger nicht mehr so hell wie einst. Der Markt wird überschwemmt mit Imitaten - von Aloha, Bios, Beo bis Zisch denken sich die Getränkekonzerne munter Biobrausen aus. Es gibt einen gewissen Konsolidierungsdruck in der Branche", bestätigt auch Tim Beerens, Wirtschaftsreferent bei der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke. Zwar sei der Markt nach wie vor auf Wachstumstrend, es gebe aber viele neue Produkte, die auf dieser Schiene fahren. "Natürlich ist Bionade nicht mehr der einzige Anbieter ", sagte er.

Zwar ist die bayerische Brauerei berüchtigt für wüste Attacken auf unliebsame Wettbewerber, doch den Verdrängungskampf aufhalten kann sie nicht. Im Sommer 2008 setzte Bionade eine saftige 33-prozentige Preiserhöhung durch. Prompt brachen die Absätze ein, das Ziel, künftig 250 Mio. Brauseflaschen statt wie bisher 200 Mio. an den gesundheitsbewußten Öko-Städter zu bringen, wurde erst einmal zu den Akten gelegt. In der gesamten Branche sei seit einigen Jahren schon ein Preisverfall zu beobachten, die Marktposition auszubauen wird für die einzelnen Anbieter immer schwieriger, sagte BeerensMittlerweile werden die Biogetränke auch verstärkt im Discountbereich eingesetzt. Billige Handelsmarken wie "Maltonade" von Plus, jetzt Netto, decken bereits 40 Prozent des Marktsegmentes ab.

Und es droht weiteres Ungemach für die Bionadebrauer aus Ostheim: 2016 läuft das Patent für den Zaubertrank aus.

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