Übernahmegerüchte
Spekulanten steigen bei MAN ein

Eigentlich hatte MAN den schwedischen Konkurrenten Scania kaufen wollen. Doch das Ansinnen scheiterte kläglich. Stattdessen schießen nun die Spekulationen ins Kraut, der Münchener Maschinenbau- und Lastwagen-Konzern könne selbst zum Übernahmeziel werden. Und in der Tat spricht einiges für diese These.

fas/hof/HB MÜNCHEN/FRANKFURT. Starke Zahlen und die Spekulationen um die Zukunft des Mischkonzerns treiben den Kurs der Aktie zu immer neuen Höhen. Einen Tag vor der vorgezogenen Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am Dienstag erreichte die Aktie am Montag mit 84,65 Euro vorübergehend einen neuen Höchststand. Seit Jahresgewinn hat das Papier damit um 15 Prozent zugelegt. Das sorgt für Spekulationen.

Darüber, wer sich momentan mit MAN-Papieren eindeckt, kann nur gemutmaßt werden. Denn keiner der Käufer hat bislang eine Schwelle überschritten, die öffentlich bekannt gemacht werden müsste. „Wahrscheinlich spekulieren Käufer darauf, dass sich der Deal umkehrt und wollen eine Prämie kassieren“, glaubt Albrecht Denninghoff, Analyst bei der Commerzbank. Monatelang hatte der MAN-Konzern erfolglos versucht, seinen Scania zu übernehmen. Doch die Münchener scheiterten am Widerstand der Scania-Manager und dem der Scania-Großaktionäre Investor und Volkswagen. Für die Börse ist das Scheitern des 10,3 Milliarden Euro schweren Deals ein Kaufsignal: Nachdem MAN sein Angebot am 23. Januar zurückgenommen hat, legt der Kurs der Münchener stetig um weitere 10 Prozent zu.

„Übernahme durch Investor und MAN“

„Spekulanten setzen auf eine MAN-Übernahme durch Investor und Volkswagen“, sagt José Asumendi von der WestLB. Auch die Analysten der Hypovereinsbank gehen weiter von einer „positiven Nachfragesituation“ für die Aktie aus, wobei man erwartet, dass Volkswagen seinen Anteil an MAN weiter aufstockt. VW lehnte eine Stellungnahme zu der Kursentwicklung ab und wollte zuletzt auch nicht kommentieren, ob der Konzern seinen MAN-Anteil aufstockt. Die Wolfsburger halten seit Oktober nach eigenen Angaben „knapp 20 Prozent“ der MAN-Papiere. Ein Überschreiten der Schwelle von 20 Prozent wurde bislang nicht gemeldet. Beim Kartellamt hat das Unternehmen die Übernahme bis knapp unter 30 Prozent der Aktien von MAN angemeldet. „Bei der aktuellen Interessenlage spricht vieles dafür, dass einer der Akteure selbst oder Spekulanten Aktien kaufen“, glaubt Denninghoff.

„Wir haben keine Hinweise auf einen feindlichen Übernahmeversuch“, kommentierte ein MAN-Sprecher am Montag die Situation. MAN-Chef Hakan Samuelsson hatte kürzlich betont: „Mit einer Gegenofferte muss man immer rechnen.“ Allerdings schränkte er ein, dass die Gefahr durch „unsere Performance und hohe Börsenkapitalisierung“ eher geringer geworden sei. Sein Sprecher sagte am Montag dennoch, dass eine Aktiengesellschaft immer auf einen solchen Fall vorbereitet sein müsse.

Brüchiger Friede

Der aktuelle Burgfrieden zwischen allen Beteiligten, könnte also schnell brüchig werden. Sowohl MAN als auch VW und Scania haben sich eine Ruhezeit verschrieben, bevor neue Gespräche über eine „freundliche Lösung“ beginnen sollen. Ziel von MAN und VW ist eine Allianz zwischen den Münchenern und Scania, in die VW seine brasilianischen LKW-Aktivitäten einbringen will. Durch die Beteiligungen an Scania und MAN sowie durch eine Vergütung ihres Brummigeschäfts in Anteilsscheinen des neuen LKW-Konzerns könnten sich die Wolfsburger großen Einfluss sichern.

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