Übernahmekampf
ACS stockt Hochtief-Angebot auf

Der spanische Baukonzern ACS gibt sich im Kampf um Hochtief nicht geschlagen. Nachdem Hochtief zuletzt das Emirat Katar als neuen Großaktionär gewonnen hatte, legen die Spanier nun nach: Das Angebot für Hochtief wurde heute überraschend nachgebessert. Unterdessen will Großaktionär Katar offenbar die Wogen glätten.
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HB MADRID. ACS bietet nun je neun eigene Aktien - bisher waren es acht Aktien gewesen - für fünf Hochtief-Anteilsscheine. Damit werde den Hochtief-Aktionären ein Aufschlag in Höhe von 12,5 Prozent im Vergleich zum bisherigen Angebot geboten. Ein Hochtief-Sprecher wollte sich zunächst nicht zu der verbesserten Offerte äußern.

ACS hatte immer wieder betont, das am 1. Dezember vorgelegte Angebot nicht nachbessern zu wollen. Hochtief hatte das Gebot am Morgen zurückgewiesen und den Aktionäre empfohlen, ihre Anteilsscheine ACS nicht anzudienen. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte aber die Erwartung geäußert, dass es bald Gespräche mit ACS geben werde.

Auf Basis des aktuellen ACS-Kurses liegt die neue Offerte bei gut 63 Euro je Hochtief-Aktie. Am Mittag notierten Hochtief-Aktien bei 65,44 Euro. Bis zum Dienstagabend um 18.15 Uhr mitteleuropäischer Zeit war das alte Tauschangebot für insgesamt 277 Hochtief-Aktien angenommen worden, hatte ACS am Morgen im Internet mitgeteilt.

Unterdessen will Hochtief-Großaktionär Katar offenbar die Wogen glätten. Der Chef der Qatar Holding, Ahmad Al-Sajed, habe sich am Mittwoch mit Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter getroffen, so eine Hochtief-Sprecherin. Zudem plane die Qatar Holding noch am Abend ein Treffen mit Vertretern von ACS, sagten mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. ACS wollte das nicht kommentieren. Katar war kürzlich bei dem Essener Konzern eingestiegen und hatte dabei betont, als „konstruktiver Mediator“ eine Situation schaffen zu wollen, in der „alle beteiligten Parteien“ gewinnen würden.

Heute morgen hatte Hochtief- das Übernahmeangebot des spanischen Großaktionärs ACS zurückgewiesen. Der Angreifer biete den Hochtief-Eignern zu wenig Geld, die Offerte berge zahlreiche Risiken und biete keine bessere Zukunft unter dem Dach von ACS, erklärten Vorstand und Aufsichtsrat. Sie empfahlen den Anteilseignern, die ACS-Offerte abzuschmettern. Voraussetzung für den Erfolg des Konzerns sei seine Unabhängigkeit, betonte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter. Bei den Anteilseignern stößt das ACS-Angebot bislang nicht auf viel Gegenliebe: Zwei Wochen nach Veröffentlichung der Offerte wurden ACS nur 277 Hochtief-Aktien angedient.

„Das Tauschangebot von ACS wurde unaufgefordert unterbreitet und weder mit dem Vorstand noch dem Aufsichtsrat abgestimmt“, erklärte Hochtief. „Vorstand und Aufsichtsrat (...) sind der Auffassung, dass das Tauschangebot nicht im Interesse der Gesellschaft, der Hochtief-Aktionäre und der Arbeitnehmer der Hochtief-Gruppe liegt, und können die Annahme des Tauschangebots den Hochtief-Aktionären daher nicht empfehlen.“ Die Unabhängigkeit mache Hochtief „stark und erfolgreich“, unterstrich der Hochtief-Chef: „Und das soll auch in Zukunft so bleiben.“ Hochtief wolle 2013 ein Vorsteuerergebnis von mehr als einer Milliarde Euro aus dem laufenden Geschäft erzielen, bekräftigte er.

Hochtief wehrt sich bereits seit Wochen gegen eine Übernahme durch ACS. Analysten sehen allerdings wenig Chancen für die Essener, diese letztlich abwehren zu können. Hochtief hatte zuletzt das Emirat Katar als neuen Großaktionär gewonnen und verspricht sich dadurch zahlreiche neue Aufträge - auch im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft, die Katar 2022 ausrichten soll. Katar bildet nun ein Gegengewicht zu ACS, durch die Kapitalerhöhung, mit der Hochtief das Emirat ins Boot geholt hat, wird der ACS-Anteil an dem Essener Konzern zudem verwässert und eine Übernahme erschwert.

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