Übernahmekampf belastet
Bremsspuren bei Centerpulse

Der Übernahmekampf zwischen Zimmer und Smith & Nephew um Centerpulse hinterlässt Bremsspuren im Halbjahresergebnis des Schweizer Medizintechnikkonzerns: Das Wachstum blieb klar hinter demjenigen der Konkurrenten zurück und der Gewinn ging zurück.

Reuters ZÜRICH. Der Centerpulse-Verwaltungsrat empfiehlt den Aktionären gemäss eigenen Angaben vom Freitag, das Übernahmeangebot der amerikanischen Firma Zimmer anzunehmen. Voraussetzung sei, dass die Aktionäre von Zimmer der Ausgabe von neuen Aktien als Teil der Finanzierung der Transaktion zustimmten.

Auch die Beteiligungsgesellschaft Incentive Capital empfiehlt ihren Aktionären die Annahme des Zimmer-Angebots. Das Angebot des US-Medizintechnikunternehmens stelle den höheren finanziellen Wert dar als es die Konkurrenzofferte der britischen S&N. Incentive ist mit einem Anteil von rund 19 % grösster Centerpulse-Aktionär.

Das aus einem Aktien- und einem Baranteil bestehende Zimmer-Angebot liegt mit 369 Franken deutlich über der zuerst vorgelegten Offerte von S&N von 296 Franken. Das britische Unternehmen hatte vergangene Woche erklärt, sein Angebot nicht zu erhöhen und sich damit effektiv aus dem Übernahmekampf zurückgezogen. Beide Angebote laufen formell allerdings noch bis zum 27. August.

Der Reingewinn von Centerpulse sank im ersten Halbjahr 2003 wegen einmaliger Sonderkosten auf 71 (Vorjahresperiode 95) Mill. Franken. Die Sonderkosten verteilten sich auf zusätzliche Rückstellungen für einen Vergleich in den USA wegen schadhafter Hüft- und Kniegelenke in Höhe von 61 Mill. Franken sowie Kosten im Zusammenhang mit der Übernahme von 16 Mill. Franken. Dagegen resultierten Sondereinnahmen aus einem Abkommen mit ATS Medical von zehn Mill. Franken.

Das operative Ergebnis auf Stufe Ebitda stieg auf 163 (159) Mill. Franken entsprechend einer Marge von 25,7 %. Die Verbesserung sei hauptsächlich auf Kostensenkungsmassnahmen zurückzuführen. Der Halbjahresumsatz ging auf 634 (639) Mill. Franken zurück. In Lokalwährungen resultierte ein Wachstum von neun Prozent.

Für das Gesamtjahr 2003 peilt Centerpulse gemäss weiteren Angaben weiterhin ein Umsatzwachstum von mindestens zehn Prozent in Lokalwährungen sowie eine Ebitda-Marge von 24 bis 25 % an. Voraussetzung sei, dass der Terminplan der Übernahme eingehalten werde. Dabei handle es sich allerdings nur um formaljuristische Prozeduren, sagte Centerpulse-Chef Max Link. Er rechnete nicht mit Problemen. Die Übernahmen dürfte Ende Monat wie geplant über die Bühne gehen.

An der Börse gaben die Centerpulse-Aktien bis gegen 13.10 Uhr 0,6 % auf 362,50 Franken nach. Der Gesamtmarkt tendierte 0,8 % fester.

Die Bank Pictet bezeichnete das Halbjahresergebnis als enttäuschend. Andere Orthopädiekonzerne wie Zimmer, S&N, Stryker, Biomet oder Synthes-Stratec hätten alle Wachstumsraten im Kerngeschäft zwischen 14 und 20 % berichtet. Dies weise auf Marktanteilsverluste von Centerpulse hin, so Pictet-Analyst Daniel Jelovcan. Der gegenwärtige Übernahmeprozess schaffe unter Mitarbeitern, Distributoren und Kunden Unsicherheit und führe zu tieferen Wachstumsraten.

Im „Frühstück“ der Bank Wegelin hiess es: „Auf den ersten Blick scheint es fast, als ob sich Smtih & Nephew mit dem Nicht-Erhöhen des Kaufangebots richtig verhalten hat“.

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