Übernahmekampf
Hochtief gewinnt Rückendeckung aus Australien

Der größte deutsche Baukonzern Hochtief sucht fieberhaft nach einer Lösung, um die Übernahme durch den spanischen Anteilseigner ACS doch noch zu verhindern. Jetzt könnten die australischen Kartellbehörden zur Rettung werden.
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HB DÜSSELDORF/BERLIN. Im Abwehrkampf gegen eine Übernahme durch die spanische ACS kann Deutschlands größter Baukonzern Hochtief auf ausländische Hilfe hoffen. Die australische Hochtief-Tochter Leighton teilte am Montag mit, den heimischen Übernahme-Ausschuss angerufen zu haben, um die eigenen Minderheits-Aktionäre zu schützen.

Der Ausschuss solle die „nicht akzeptablen Umstände“ des ACS-Gebots für Hochtief klären. Man sei besorgt, dass ACS versuche, über eine niedrige Offerte für Hochtief auch die Kontrolle über Leighton zu bekommen. Es sei zu befürchten, dass ACS damit ein Übernahme-Angebot für Leighton zum vollen Preis umgehen wolle. Auch Hochtief will sich an den Ausschuss wenden. Damit soll die australische Kontrollinstanz für Übernahmen dazu gebracht werden, von ACS auch ein Angebot für Leighton zu verlangen.

Die Essener hoffen, die Kosten für die hoch verschuldeten Spanier damit in nicht bezahlbare Höhen zu treiben. Anwälten zufolge könnte das Gremium zugunsten von Hochtief entscheiden, wenn es das Angebot von ACS als nicht akzeptabel einschätzt. Dies könne der Fall sein, wenn die Spanier über Hochtief die Kontrolle von Leighton erhalten wollten, ohne für die australische Tochter zu bieten. Hochtief hält 54,5 Prozent an Leighton.

Die restlichen Aktien der Australier haben einen Marktwert von etwa 3,6 Milliarden Euro. Damit ist Leighton an der Börse doppelt so vielWert wie die deutsche Mutter. ACS hält seit längerem knapp 30 Prozent an Hochtief und hatte die Essener im September mit einem Übernahmeangebot im Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro überrascht. Das Management von Hochtief hält die Offerte für zu niedrig und hat auch die deutsche Politik um Hilfe gebeten.

Auch von anderer Seite hofft Hochtief auf Hilfe vor der Übernahme. Manager des Unternehmens führen Gespräche mit dem Golfstaat über einen Einstieg bei Hochtief, berichtete der "Spiegel" vorab. Bislang gebe es aber keine Entscheidung aus Katar. Eine Hochtief-Sprecherin sprach von Spekulationen, die sie nicht kommentieren wolle. In Katar war am Sonntag keine Bestätigung für die Gespräche zu erhalten.

Eine Regierungssprecherin sagte, das Thema sei schon im September auf einem Empfang des Bundespräsidenten zur Sprache gekommen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Anfang Oktober aus Bankenkreisen erfahren, Hochtief bemühe sich um Investoren etwa aus Dubai oder Katar. Die Firmensprecherin sagte, Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter sei beim Bundespräsidenten auf Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Wirtschaftsminister des Emirats vorgestellt worden.

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  • vor wem denn retten? ACS ist ein europaeisches Unternehmen, so bleibt der Konzern zumindest in europaeischer Hand. besser als das es irgendein Scheich bekommt der dann denn Gewinn womoeglich an irgendwelche Dschihadisten ueberweist. Mal ein bisschen patriotische Moral zeigen waere gut.

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