Übernahmekampf: Inder greifen nach Repower

Übernahmekampf
Inder greifen nach Repower

Um den Hamburger Windturbinenbauer Repower ist ein Übernahmekampf entbrannt. Der weltweit fünfgrößte Windturbinenhersteller Suzlon Energy will mit dem Kauf von Repower unter die Top drei der Branche vorstoßen. Mit einer Offerte in Höhe von 1,02 Mrd. Euro versuchen die Inder, den franzöischen Atomkonzern Areva aus dem Feld zu schlagen.

DÜSSELDORF. Seit Freitag bietet der indische Konkurrent Suzlon Energy 126 Euro in bar je Repower-Aktie. Damit fahren die Inder dem französischen Atomkonzern Areva in die Parade. Suzlon, das Platz fünf der Weltrangliste belegt, ist bereit, 1,02 Mrd. Euro für die vollständige Übernahme des Tabellensiebten aus Hamburg zu bezahlen. Das sind 170 Mill. Euro oder 20 Prozent mehr als die drei Wochen alte Areva-Offerte.

Die Repower-Aktie schoss um 29 Prozent auf den neuen Rekordwert von 145 Euro in die Höhe. „Der Markt spekuliert offenbar darauf, dass Areva sich noch nicht geschlagen gibt“, sagte ein Börsenhändler. Der weltgrößte Hersteller von Kernkraftwerken, der gemeinsam mit Repower eine international führende Position in der CO2-freien Energieerzeugung anstrebt, lässt sich allerdings nicht in die Karten schauen: Areva teilte nur mit, dass man „Kenntnis“ von der Gegenofferte habe. Ob er Konzern nun seinerseits nachlegen werde, ließ die staatliche Atomholding offen. Areva ist bereits mit knapp 30 Prozent an Repower beteiligt und hatte Ende Januar ein Kaufangebot für die restlichen Anteile vorgelegt. Auch der Repower-Vorstand, der Areva für den „idealen Partner“ hält, kommentierte die Suzlon-Offerte zunächst nicht.

Der Übernahmekampf um Repower beflügelte die Aktien anderer Windkrafthersteller. Der Kurs des Rostocker Unternehmens Nordex verbesserte sich um bis zu 11,8 Prozent, die Papiere des dänischen Weltmarktführers Vestas verteuerten sich um neun Prozent. Die heftigen Kursreaktionen werten Branchenkenner als Indiz für den Beginn einer neuen Konsolidierungsrunde in mittelständisch geprägten Branche. In den vergangenen Jahren waren bereits finanzstarke Konzerne in den Wachstumsmarkt eingestiegen. So übernahm 2002 der US-Konzern General Electric (GE) das Unternehmen Enron Wind, hinter dem sich der deutsche Anlagenbauer Tacke verbirgt. 2004 schluckte Siemens die Bonus, nachdem der Konzern zuvor mit einem Einstieg bei Repower geliebäugelt hatte. „Kleine Firmen haben oft einen Technologievorsprung - also kaufen die Großen deren Know-how auf“, sagte ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie.

Experten schätzen, dass sich der Umsatz der Branche künftig alle drei Jahre verdoppeln wird. 2006 erhöhte sich das weltweite Geschäftsvolumen um 30 Prozent auf 15 Mrd. Euro. Doch obwohl sich in keinen anderen Land der Welt mehr Windräder drehen als in Deutschland, spielt nur das nicht börsennotierte Unternehmen Enercon in der ersten Liga. Mit 14 Prozent Weltmarktanteil belegt Enercon Platz drei der Rangliste, hinter Vestas (27) und GE Wind (18 ), aber noch knapp vor dem spanischen Konkurrenten Gamesa mit 13 Prozent. Suzlon kommt auf sechs Prozent. Es folgen Siemens (5,5), Repower und Nordex mit jeweils drei Prozent.

„Es ist unser Ziel, gemeinsam mit Repower in kurzer Zeit weltweit zu den Top drei unserer Branche zu gehören“, warb Suzlon-Chef Tulsi R. Tanti in Hamburg für seine Überpläne. Er will künftig eine Zwei-Marken-Strategie fahren und den Standort Hamburg zu einem weltweiten Zentrum für Technologie, Forschung und Entwicklung ausbauen. Tanti erwartet „wesentliche Umsatz- und Kostensynergien“ durch die Fusion.

Ein Gewinnschub wird auch nötig sein, um die finanziellen Risiken der Übernahme zu beherrschen. Zwar ist Suzlon mit einer operativen Marge von 21,6 Prozent deutlich profitabler als die Konkurrenz, gleichwohl halten Analysten den Kaufpreis für „überteuert.“ Die Inder bieten für Repower das 31fache des für 2007 erwarteten Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit). Das bedeutet eine Prämie auf die branchenübliche Bewertung von 25 Prozent. Billiger wird der Repower-Kauf nur dank der Mithilfe des Baukonzerns Martifer: Die Portugiesen wollen ihr Aktienpaket von 25,4 Prozent vorerst behalten.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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