Übernahmekampf mit Schaeffler
Contis Abwehrfront bröckelt

Der Übernahmekampf zwischen Schaeffler und Continental entwickelt sich immer mehr zu einem juristischen Schlagabtausch. Nun droht Conti-Chef Manfred Wennemer ein zentrales Element seiner Abwehrstrategie aus den Händen zu gleiten. Über juristische Hakeleien und politische Klimmzüge.

FRANKFURT. Ausdrücklich hatten die Hannoveraner laut Finanzkreisen die Finanzaufsicht BaFin aufgefordert, die Swap-Geschäfte von Schaeffler über 28 Prozent der Conti-Aktien wegen Unzulässigkeit zu blockieren. Doch die Hoffnungen von Conti, sich mit Hilfe der Behörde zu retten, trügen offenbar. Die BaFin werde den Derivate-Deal voraussichtlich nicht auf Eis legen, sagte gestern eine mit dem Vorgang vertraute Person. Eine BaFin-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern, sondern sagte lediglich, dass die Behörde die Optionsgeschäfte noch prüfe. Das dürfte noch Wochen dauern.

Derweil scheinen in Hannover die Nerven ziemlich blank zu liegen: In harschen Worten hatte Conti-Chef Manfred Wennemer die Pläne des fränkischen Familienkonzerns, der am Dienstag ein Übernahmeangebot für Conti vorgelegt hatte, als "egoistisch, selbstherrlich" und "rechtswidrig" gegeißelt. In einem Brief an die Behörde forderte er laut Finanzkreisen auch, eine Untersagungsverfügung für die Banken auszusprechen, die für Schaeffler den Derivate-Deal eingefädelt haben. Damit wären den Instituten vorerst die Hände gebunden, und Conti hätte Zeit gewonnen.

Der Übernahmekampf um Conti entwickelt sich so immer mehr zu einem juristischen Schlagabtausch, der auch ein Schlaglicht auf die Usancen der beteiligten Kanzleien und Bankhäuser wirft. Denn zu den Banken, die Schaefflers Attacke begleiten, gehört laut Finanzkreisen pikanterweise auch die Dresdner Bank, die zu den Hausbanken von Conti zählt.

Conti-Boss Manfred Wennemer ist darüber offensichtlich schwer verärgert. Die Dresdner unterhält aber schon seit der feindlichen Übernahme von FAG Kugelfischer durch Schaeffler vor einigen Jahren auch einen engen Draht zu den Herzogaurachern. Eine Sprecherin der Bank wollte auf Anfrage zu dem Thema nicht Stellung nehmen.

Der Wirtschaftsjurist Wilhelm Haarmann hält eine solche zweischneidige Verbindung allerdings für legitim. "Das ist ein Interessenskonflikt, aber Banken sind keine Anwaltskanzleien", stellt er fest und fügt hinzu: "Wenn es keine vertraglichen Regelungen mit Conti gibt, die so etwas ausdrücklich ausschließen, und keine vertraulichen Informationen verwendet werden, ist ein solches Vorgehen durchaus rechtens."

Aber auch auf Seiten der Anwälte ist der Übernahmekampf nicht frei von überraschenden Koalitionen. So wird Conti ausgerechnet von der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer vertreten, die auch die Firma Porsche als Kunden hat, von der sich Schaeffler offenbar einiges bei der Vorbereitung des Conti-Deals abgeschaut hat.

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