Übernahmekampf
Mittal will nicht von Arcelor lassen

Obwohl Arcelor nun Fusionsgespräche mit dem russischen Severstal-Konzern führt will sich der Branchenführer Mittal Steel weiter beim Luxemburger Stahlriesen durchsetzen.

HB ROTTERDAM. „Wir streben nach wie vor die Mehrheit an Arcelor an“, bekräftigte eine Mittal-Sprecherin am Dienstag. Mittal-Europachef Roeland Baan hatte zuvor in der „Financial Times Deutschland“ eingeräumt: „Es kann gut sein, dass wir am Ende vielleicht 40 Prozent der Aktien des Gesamtkonzerns Arcelor und Severstal haben.“

„Wir sind überzeugt, dass wir angesichts des beträchtlichen Aufschlags von 70 Prozent die Mehrheit der Aktionäre überzeugen werden“, betonte die Mittal-Sprecherin. Es gebe „keine Kehrtwende“. Der Erwerb von mehr als 50 Prozent sei als Bedingung in den Angebotsunterlagen festgesetzt. Entsprechend sei die Freigabe der Behörden, die in Kürze erwartet werde, auch an diese Bedingung geknüpft. Erst wenn der Konzern weniger als 50 Prozent der Anteile erhalte, werde er die Möglichkeiten neu überdenken.

Baan hatte zu bedenken gegeben, Mittal könnte mit mehr als 20 Prozent können wir bei Arcelor jederzeit eine Hauptversammlung einberufen. „Wir hätten damit viel Macht. Und wir haben lieber diesen Einfluss als keinen Einfluss.“



Severstal-Boss wehrt sich

Der russische Severstal-Besitzer Alexej Mordaschow verteidigte unterdessen die Fusionspläne gegen Kritik, die Gegner eines Zusammengehens hätten so gut wie keine Chance, sich durchzusetzen. Die Arcelor-Aktionäre hätten weiterhin die Möglichkeit, sich dagegen auszusprechen, sagte er der „Financial Times“. Kritiker bemängeln der Zeitung zufolge, dass auf der Arcelor-Hauptversammlung am 28. Juni 50 Prozent des Gesamtkapitals und nicht des anwesenden Kapitals dagegen stimmen müssten. Dies erscheine praktisch unmöglich, denn die Arcelor-Aktien seien breit gestreut und es sei nicht damit zu rechnen, dass überhaupt 50 Prozent der Anteile bei einer Versammlung vertreten sein werden.

Arcelor-Chef Guy Dollé und Severstal-Eigner Mordaschow hatten vereinbart, dass Arcelor Severstal übernimmt und Mordaschow dafür rund 32 Prozent der Anteile am neuen Gesamtkonzern bekommt. Nach einer Wartezeit von vier Jahren will Mordaschow seinen Anteil bis auf 45 Prozent erhöhen. Er hätte damit das Sagen im dann weltgrößten Stahlkonzern mit 46 Mrd. Euro Jahresumsatz.

Arcelor wehrt sich seit Monaten gegen eine Übernahme durch Mittal Steel, ein von Lakshmi Mittal zusammengekauftes weltweites Konglomerat mit Sitz in den Niederlanden. Severstal ist einer der beiden größten Stahlkocher Russlands. Gemeinsam mit der Investmentbank Goldman Sachs versucht Mittal, die Arcelor-Aktionäre gegen den Severstal-Deal zu mobilisieren.

Mittal-Europachef Baan sagte der „FTD“: „Die Arcelor-Aktionäre kaufen kein Unternehmen - das ist eine Arcelor-Übernahme durch Mordaschow.“ Arcelor-Verwaltungsratschef Joseph Kinsch sei über 70 Jahre alt und Arcelor-Vorstandschef Guy Dollé bleibe nur noch ein Jahr. „Danach gibt es nur noch einen: Mordaschow.“

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