Übernahmekampf
Porsche kämpft mit dem Rücken zur Wand

Mobbing, Falschmeldungen, Leimruten – mitten in dem immer schärfer werdenden Übernahmestreit zwischen VW und Porsche feiert Audi 100. Geburtstag. Während zumindest bei den Feierlichkeiten am Abend die Waffen schweigen sollen, kämpft Porsche zunehmend mit dem Mut der Verzweiflung. Vor allem Betriebsratschef Uwe Hück. Doch es ist ein ungleicher Kampf.

INGOLSTADT/FRANKFURT/HAMBURG. Porsche-Erbe Ferdinand Piëch schätzt die Symbolik. Das war auf der Hauptversammlung der VW-Tochter Audi Mitte Mai der Fall, als Volkswagens Chefaufseher seinen Kontrahenten Wendelin Wiedeking, Porsches Vorstandschef, schlicht ignorierte. Zwei Tage zuvor hatte der Patriarch eine Fahrpräsentation auf Sardinien genutzt, um Wiedeking verbal zu richten. Am runden Tisch saßen Piëch und Ehefrau Ursula mit Niedersachsens Staatssekretär Olaf Glaeseker und VW- Betriebsratschef Bernd Osterloh – mehr Einigkeit ging nicht.

Am Donnerstagabend blieb Osterloh zwar im Sommerurlaub, weil der aus Sicht der Wolfsburger Arbeitnehmer „erklärte Gegner des VW-Gesetzes“, Günther Oettinger (CDU), Ministerpräsident des Porsche-Ländles Baden-Württemberg, eingeladen worden war. Ansonsten waren sie aber alle angemeldet, zum glanzvollen 100. Geburtstag von Audi: Piëch und VW-Chef Martin Winterkorn, Wolfgang Porsche und Wendelin Wiedeking.

Die Bühne war in Ingolstadt schon bereitet, da befiel die Akteure eine seltsame Beißhemmung. Zurückhalten wollten sich die Vertreter von VW und Porsche am Donnerstagabend – ausnahmsweise. „Schließlich feiern wir Geburtstag“, sagte einer der Streithähne.

Waffenruhe am Galaabend: Wie Kinder hatten sie sich vorher öffentlich der Lügen bezichtigt, gezielt Falschmeldungen gestreut und Leimruten gelegt. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) – das Land hält 20 Prozent an VW – war es vorbehalten, sich Wortduelle mit Porsches Betriebsratschef Uwe Hück zu liefern.

Nach Ingolstadt geladen waren neben den Streitparteien Politiker und Prominente, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Damit ja nichts schiefging, ließ Audi-Chef Rupert Stadler – einst Büroleiter von Piëch, der Audi groß gemacht hat – eine Generalprobe am Vortag ansetzen. Doch Audis Erfolgsgeschichte gab nur die Bühne ab für die wohl finale Episode im Wirtschaftskrieg zwischen Wolfsburg und Stuttgart. Die Sportwagenschmiede Porsche hatte sich bei der Übernahme von 51 Prozent der Anteile an Europas größtem Autobauer Volkswagen verzockt. Die Stuttgarter drückt seitdem eine Schuldenlast von mehr als neun Mrd. Euro. Eine von Wiedeking verhandelte Alternative, eine Finanzspritze des Emirats Katar, ist an eine einvernehmliche Lösung geknüpft.

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