Übernahmekampf
Schaeffler schockiert Conti

Der Umgangston zwischen der Führung von Continental und dem Hauptaktionär Schaeffler wird immer rauer. Und nun gibt es laut Handelsblatt-Informationen einen Plan mit brisantem Inhalt: Schaeffler will Conti konsolidieren, um die eigene Verschuldung zu senken. Das hätte für Conti weitreichende Folgen. Kein Wunder, dass der Vorstand gegen den Plan Sturm läuft.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF/HAMBURG. Das hochverschuldete Familienunternehmen Schaeffler setzt das Management des übernommenen Autozulieferers Continental unter Druck. Die Gruppe aus Herzogenaurach, die 49,9 Prozent der Conti-Aktien hält, will den Hannoveraner Konzern konsolidieren, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann wehrt sich gegen das Manöver seines Großaktionärs, hieß es.

Schaefflers Ziel ist, den kritischen Verschuldungsgrad bilanziell zu senken – und damit die eigene Position gegenüber den Banken als Kreditgebern aufzubessern. Schaefflers Verschuldungsgrad ist Unternehmenskreisen zufolge dreimal so hoch wie der von Conti. Den finanziell angeschlagenen Autozulieferer beutelt die Branchenkrise heftig.

„Schaefflers Vorstoß hat den Vorstand umgehauen“, sagte ein Aufsichtsrat von Contis Kapitaleignerseite dem Handelsblatt. Auch unter den freien Aktionären gibt es dem Vernehmen nach Widerstand. Weder Conti noch Schaeffler wollten sich zu dem Thema äußern. Conti-Kreise bezweifelten die Rechtsgrundlage von Schaefflers Position.

„Schaeffler müsste einen maßgeblichen Einfluss auf die Geschäfts- und Finanzpolitik von Conti ausüben und es dann als assoziiertes Unternehmen konsolidieren“, sagt Gesellschaftsrechtsexperte Robert Heym von der internationalen Kanzlei Reed-Smith. Gelingt Schaeffler die Konsolidierung, hätte das weitreichende Konsequenzen. Problematisch wäre vor allem die damit verbundene Informationspflicht des Continental-Vorstands. Neumann müsste dem Großaktionär interne Zahlen zur Verfügung stellen – darunter wettbewerbsrelevante Daten.

Die nach heftigem Abwehrkampf im Sommer 2008 als Voraussetzung der Übernahme von Schaeffler mit Conti geschlossene Investorenvereinbarung sieht aber explizit ein „gleichberechtigtes Miteinander zweier leistungsfähiger und unabhängiger Unternehmensgruppen“ vor. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist damit betraut, die Einhaltung des Vertrages zu überwachen.

Die Attacke aus Franken werten Conti-Kreise als weiteren Beleg für Schaefflers Umgang mit den Niedersachsen. Im Vorfeld der Hauptversammlung am 23. April hatte Schaeffler das Conti-Management brüskiert, indem die Herzogenauracher ihren Finanzchef, Klaus Rosenfeld, zur Wahl in den neuen Aufsichtsrat der Hannoveraner aufstellten und nicht wie vorgesehen den Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, Hans-Jörg Bullinger.

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