Übernahmekampf
Sika gewinnt Zeit gegen Saint-Gobain

Sika hat im Zwist mit der französischen Saint-Gobain einen Teilsieg errungen - die Übernahme zieht sich weiter hin: Ein Gericht stützt den Schweizer Bauchemiekonzern. Eine Einverleibung ist frühestens 2016 möglich.
  • 0

ZürichDie geplante Übernahme des Schweizer Bauchemiekonzerns Sika wird für die französische Saint-Gobain zur Geduldsprobe. Ein Schweizer Gericht verhinderte vorerst, dass der traditionsreiche Baustoffhersteller die Kontrolle über Sika gewinnt. Das Unternehmen begrüßte den Entscheid am Donnerstag in einer ersten Stellungnahmen. Juristen gehen nun davon aus, dass die Transaktion - wenn überhaupt - erst im nächsten Jahr über die Bühne gehen kann.

Die Familie Burkard hatte im Dezember angekündigt, ihren Anteil an Sika für 2,75 Milliarden Franken an Saint-Gobain zu verkaufen. Sie hat zwar nur einen Kapitalanteil von 16 Prozent, aber 52 Prozent der Stimmen. Sollte Saint-Gobain die Stimmenmehrheit erlangen, könnte sie den Sika-Verwaltungsrat auswechseln und damit die Geschicke des Unternehmens bestimmen.

Dagegen wehrt sich Sika mit der Unterstützung vieler Minderheitsaktionäre wie etwa Anlagevehikeln von Microsoft -Gründer Bill Gates. So beschränkte das Unternehmen die Stimmrechte der Familie auf fünf Prozent. Dagegen ging die Familie gerichtlich vor und verlangte ein einstweiliges Verbot dieser Beschränkung. Damit erlitt die sie nun vor dem Obergericht Zug wie bereits vor einem anderen Gericht eine Niederlage. Die Richter begründeten ihren Entscheid damit, dass Sika einschneidende Nachteile drohten, sollte die Maßnahme einstweilig verfügt werden. Eine Einverleibung von Sika in Saint-Gobain könne kaum mehr rückgängig gemacht werden. Ein Sprecher konnte nicht sagen, ob die Familie den Entscheid anficht. "Bevor wir über weitere Schritte entscheiden, müssen wir das Urteil vertieft prüfen."

Die grundsätzliche Frage, ob Sika die Stimmrechte der Familie beschränken darf, klärt nun ein anderes Gericht. Experten zufolge könnte dies allerdings bis zu einem Jahr dauern. Gegen dieses Urteil kann Sika dann noch an zwei weiteren Gerichten Rekurs einlegen. Insidern zufolge könnte Sika im Fall einer juristischen Niederlage darauf setzen, dass Saint-Gobain die Geduld verliert und die Übernahme abbläst. Die vertraglich vereinbarten Bedingungen der Transaktion gelten bis Mitte 2016. Danach kann Saint-Gobain einseitig entscheiden, ob sie die Sika-Anteile noch kaufen will.

Saint-Gobain bedauerte den Entscheid des Gerichts. Die Verzögerung habe für alle Beteiligten Nachteile. Die Verunsicherung bei den Kunden und Zulieferern nehme zu.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Übernahmekampf: Sika gewinnt Zeit gegen Saint-Gobain"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%