Übernahmekampf um Endesa
Bernotats Strohhalm

Eon-Chef Wulf Bernotat wehrt sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage im Kampf um den spanischen Versorger Endesa. Der Strohhalm, an den er sich klammert, ist der Rechtsweg.

DÜSSELDORF. Die Juristen des Unternehmens leiteten gestern gleich mehrere Schritte gegen die Kontrahenten Enel und Acciona ein. Sie intervenierten bei der spanischen Börsenaufsicht CNMV gegen das konkurrierende Gebot. Zudem reichten sie vor einem New Yorker Gericht Klagen gegen die beiden Rivalen ein. Nach Einschätzung von Rechtsexperten sind die Erfolgsaussichten zwar ungewiss. Enel und Acciona müssten die drohenden Konsequenzen aber durchaus ernst nehmen.

„Das rechtswidrige Verhalten von Acciona und Enel ist ein Versuch, die Endesa-Aktionäre zu täuschen und den Preis der Aktie zu manipulieren“, begründete der deutsche Energiekonzern die eingeleiteten Maßnahmen, „es behindert zudem das einzige, für alle Endesa-Aktionäre freigegebene Angebot von Eon.“

Enel und Acciona hatten zuvor angekündigt, ein gemeinsames Gebot für Endesa zu planen. Der Kaufpreis würde mit 41 Euro je Aktie noch knapp über dem gestern von Eon genannten Preis von 40 Euro liegen. Sie stören damit Eons Offerte, deren Annahmefrist noch bis Anfang April läuft.

Nach spanischem Übernahmerecht ist der Bieterwettstreit, in dem sich Eon nach einem Kampf von einem Jahr gegen den spanischen Rivalen Gas Natural durchgesetzt hatte, eigentlich abgeschlossen. Dies hatte die Börsenaufsicht CNMV am Freitag, nachdem Enel und Acciona erstmals über ihre Pläne berichtet hatten, auch mit deutlichen Worten klargestellt. Behördenchef Manuel Conthe bezeichnete das Vorhaben als nicht rechtens, legte den beiden Partnern eine Frist von einem halben Jahr für ihr Angebot auf und gestattete Eon, noch einmal aufzustocken, weil dessen Offerte gestört worden sei. Ob es die CNMV akzeptieren wird, dass Enel und Acciona gestern den Prozess noch einmal störten und Details zur später geplanten Offerte nannten, blieb zunächst unklar. Die Behörde wollte dies bis heute früh prüfen.

Eon beantragte bei der CNMV die Eröffnung eines Verfahrens gegen seine beiden Konkurrenten „wegen Irreführung des Marktes, Verstoß gegen das Übernahmerecht und Insider-Handel“. Der Konzern forderte, dass Acciona und Enel ihre Endesa-Aktien wieder veräußern müssen und weitere Aktienkäufe untersagt werden. Beide Unternehmen solle es zudem untersagt werden, überhaupt ein Übernahmeangebot abzugeben. „Wir begrüßen die schnelle Reaktion der CNMV“, sagte Bernotat, „das kann aber nur der Beginn weiterer Verfahren und Ermittlungen mit entsprechenden Sanktionen sein.“

Bei einem Bundesgericht in New York reichten die Eon-Juristen Klagen wegen „Verletzung der amerikanischen Offenlegungsregeln“ ein. Weil Endesa an der New Yorker Börse gehandelt wird, unterliegt der Übernahmekampf auch dem strengen US-Börsenrecht. In mehreren Mitteilungen an die Aufsichtsbehörde SEC hatten sowohl Enel als auch Acciona erklärt, keine Mehrheit anzustreben und vor allem keine Absprachen mit anderen Unternehmen getroffen zu haben. Berufen kann sich Eon dabei auf die spanische CNMV: Behördenchef Conthe hat Enel vorgeworfen, offensichtlich auf die von ihm vor drei Wochen gestellte Frage, ob die Italiener eine Übernahme von Endesa planen, nicht ehrlich geantwortet zu haben.

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