Übernahmekampf um Endesa ist entschieden
Spanische Lösung

Über ein Jahr lang hat Eon-Chef Wulf Bernotat um den spanischen Versorger Endesa gerungen. Nun hat er verloren: Er muss sich mit Teilen von Endesa zufrieden geben – Chronologie eines verzweifelten Kampfs gegen hartnäckige Wettbewerber und eitle Politiker.

DÜSSELDORF/MADRID. Soll denn wirklich alles umsonst gewesen sein? In der Düsseldorfer Zentrale des Energiekonzerns Eon macht sich Resignation breit. Der erfolgsverwöhnte Vorstandschef denkt schon ans Aufgeben. Mit allen Tricks hat er um die prestigeträchtige Übernahme gerungen. Beharrlich hat er sich gegen immer neue Widerstände zur Wehr gesetzt. Und jetzt droht trotz aller Mühen das Aus, blockieren lästige Konkurrenten den spektakulären Deal. Hinter den Kulissen wird Tag und Nacht verhandelt. Gesandte vermitteln hektisch zwischen den Rivalen. Und dann, in letzter Minute, doch noch die Einigung. Das Mega-Projekt ist gerettet.

Es ist Anfang 2003. Ulrich Hartmann, Vorstandsvorsitzender der Eon AG, hat auf den letzten Drücker die Übernahme von Deutschlands größter Gasgesellschaft, Ruhrgas, unter Dach und Fach gebracht. Eine Hand voll Konkurrenten hatte mit einer Klage das Projekt fast zum Scheitern gebracht. Nur wenige Stunden vor dem Richterspruch rettete der damalige Eon-Chef mit einer außergerichtlichen Einigung die Fusion.

Gut vier Jahre später steckt sein Nachfolger Wulf Bernotat in einer ähnlich kniffligen Situation. Das Projekt ist noch größer, die Dimension sogar europäisch. Doch ein Happy End gibt es dieses Mal nicht. Ein Jahr und einen Monat lang hat Bernotat um die Übernahme von Spaniens Nummer eins, Endesa, gerungen, war bereit, die Rekordsumme von 42,3 Milliarden Euro zu zahlen. Bis heute, 24 Uhr, sollten die Aktionäre in Spanien entscheiden, ob sie sein Angebot von 40 Euro je Aktie annehmen.

Wie damals bei Ruhrgas – nur umgekehrt

Doch dieses Mal behalten die lästigen Konkurrenten die Oberhand. Bernotat zieht sein Gebot zurück und sichert sich selber nur Teile seines Objekts der Begierde – so wie damals die unterlegenen Ruhrgas-Kläger.

Der Druck, den die Gegner aufgebaut haben, war einfach zu groß. Der italienische Versorger Enel und der spanische Mischkonzern Acciona haben eine Allianz geschmiedet, sich am Markt 46 Prozent der Aktien gesichert und bereits eine Gegenofferte angekündigt. Weitere drei Prozent kontrolliert die Staatsholding Sepi.

Damit scheitert ein beispielloser Übernahmeversuch endgültig. Wie im Fall Ruhrgas kam er einem Hürdenlauf gleich. Immer, wenn Sportfan Bernotat ein Hindernis übersprungen hatte, tauchte ein neues auf. Immer wieder warf ihm vor allem die spanische Regierung Knüppel zwischen die Beine. An der letzten Hürde ist Wulf Bernotat schließlich gestrauchelt. Allerdings: So manche Hürden hat der bullige Manager auch selbst zu verantworten.

Anfangs läuft alles noch wie am Schnürchen. Nachdem Bernotat erfolglos die Fühler nach dem vergleichsweise kleinen britischen Versorger Scottish Power ausgestreckt hat, heckt er zum Jahreswechsel 2005/06 – angeblich in der Sauna – einen weitaus spektakuläreren Coup aus: In Spanien wehrt sich Endesa gegen eine feindliche Offerte des heimischen Rivalen Gas Natural, Eon soll den weißen Ritter spielen. Bernotat wittert die Chance: Er kann nicht weniger als den führenden Strom- und Gasversorger der Welt schaffen. Gemeinsam würden beide Unternehmen 50 Millionen Kunden in über 30 Ländern versorgen und kämen auf einen Umsatz von 80 Milliarden Euro.

Seite 1:

Spanische Lösung

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%