Übernahmekandidaten
Deutsche Werte gesucht

Bezahlbar sind Deutschlands Unternehmen. Doch will sie auch jemand haben? Harte Fakten und Zahlen müssen stimmen, damit sich eine Übernahme rechnet – Wie sich aus 130 börsennotierten Unternehmen die besten Übernahmekandidaten herausfiltern lassen.

DÜSSELDORF. Infineon, MAN und Tui: Warum nicht alle auf einen Schlag? 21 Milliarden Euro kosten die drei Unternehmen an der Börse. Rechnet man den üblichen Übernahmezuschlag von 20 Prozent hinzu, ergeben sich 25 Milliarden Euro. Noch eine Milliarde mehr bezahlte das „Heuschrecken“-Konsortium aus Bain, Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) sowie Merrill Lynchs Beteiligungssparte für den amerikanischen Klinikbetreiber HCA. Bezahlbar sind Deutschlands Unternehmen also. Doch will sie auch jemand haben? Harte Fakten und Zahlen müssen stimmen, damit sich eine Übernahme rechnet.

Hier beginnt die Reise ins Detail. Wie sieht ein geeignetes „Opfer“ aus? Welche Kriterien muss es erfüllen? Jede Private-Equity-Gesellschaft schaut auf ganz unterschiedliche Kennzahlen in der Bilanz, ganz zu schweigen von der noch schwierigeren Analyse hinsichtlich der Perspektiven eines möglichen „Opfers“. Um zahlungskräftige Konkurrenten nicht auf den Plan zu rufen, halten sich die Investoren naturgemäß bedeckt, wenn es um Kriterien für eine ideale Übernahme geht.

Das Handelsblatt filtert deshalb mit Hilfe eines eigenen Rankings, Übernahmekandidaten unter den 130 größten börsennotierten Unternehmen im Dax, MDax, SDax und TecDax heraus. Als Messlatte gelten drei ganz entscheidende Messgrößen, um die Finanzstärke und Perspektiven eines Unternehmens zu bewerten: Cash-Flow, Verschuldung und Bewertung.

Natürlich ziehen Finanzinvestoren noch eine ganze Reihe weiterer Kennzahlen zu Rate. Auch misst jeder Jäger verschiedenen Zahlen ganz unterschiedliche Bedeutung zu. Doch schon der Versuch, Unternehmen herauszufiltern, die hinsichtlich dieser drei Kennzahlen zu den Top-Zehn gehören, schlägt fehl. Kein Unternehmen findet sich in allen drei Rankings ganz oben wieder. Niemand ist sehr gering verschuldet, erwirtschaftet gleichzeitig einen hohen Cash-Flow und ist dabei noch extrem niedrig bewertet. Solch ein ernüchterndes Ergebnis überrascht aber kaum, schließlich beheben Anleger derartige Ungleichgewichte sofort mit Käufen und Verkäufen, also höheren oder niedrigeren Kursen.

Doch es finden sich Kandidaten, die der Idealschnittmenge nahe kommen. Pfeiffer Vacuum ist niedrig verschuldet und hat einen hohen Cash-Flow. Obendrein bezahlen Anleger die Aktie nur mit dem 16fachen Jahresgewinn des Unternehmens pro Anteilsschein. Im Durchschnitt blättern Investoren für die Firmen im TecDax, wo der Spezialist für Vakuumtechnik notiert, den 50fachen Gewinn hin. Und es spricht noch mehr für den führenden Hersteller von Technik zum Messen und Analysieren von Vakuen: „100 Prozent Freefloat machen das Unternehmen prinzipiell interessant. Es hat den Turnaround geschafft, bietet hohe Margen und ist renditestark“, sagt Christian Kahler von der DZ-Bank. Zuletzt erreichte Pfeiffer eine Marge von 24 Prozent – knapp ein Viertel des Umsatzes blieben also als Gewinn hängen. Deutsche Firmen kommen im Schnitt nur auf gut fünf Prozent. Mit einer Eigenkapitalquote von 80 Prozent und einer Nettoliquidität von 70 Millionen Euro ist Pfeiffer zudem solide finanziert.

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