Übernahmen
Chemiebranche lockt arabische Staatsfonds

Branchenexperten rechnen damit, dass sich die deutsche Chemielandschaft von Grund auf verändern wird: Die Branche rückt verstärkt in das Visier von ausländischen Investoren; die anhaltende Krise bietet den Investoren ein interessantes Umfeld für Übernahmen.

FRANKFURT/DUBAI. In diesen stürmischen Zeiten witterten neue Wettbewerber und Investoren ihre Chance, beobachtet Tobias Lewe, Chemie-Experte beim Düsseldorfer Beratungsunternehmen A.T. Kearney: „Arabische und chinesische Staatsfonds wollen die Krise nutzen, um Zugang zu westlichen Märkten zu bekommen und Know-how zu gewinnen.“ „Im Zuge der Diversifizierung der stark vom Öl geprägten Wirtschaft setzen die Regierungen in Mittelost zunächst auf den Aufbau von Petrochemie-Anlagen in der Region“, bestätigt Eckart Wörtz, Chef-Ökonom des Gulf Research Centers in Dubai. „Darüber hinaus versuchen sie zunehmend, sich in Firmen in Europa und den USA einzukaufen.“

Die anhaltende Krise in der deutschen Chemiebranche bietet den Investoren dafür nun ein interessantes Umfeld. Im ersten Halbjahr 2009 werden sich – das lässt sich bereits absehen – die Gewinnsituation und Liquidität der deutsche Chemieindustrie weiter verschlechtern. Bayer-Chef Werner Wenning ist weder für dieses Jahr noch für 2010 optimistisch: „Wir wissen, dass wir riesige Lagerbestände haben. Bis dort mal wieder eine normale Situation eintreten kann – das wird dauern.“

Die Unternehmen prüfen derzeit sehr genau, welche Bereiche keine hinreichenden Wertbeiträge liefern. „Angesichts zunehmender Liquiditätsprobleme, denen sich viele Chemiefirmen gegenübersehen, hat eine kurzfristige Optimierung der Kapitalposition für viele Führungskräfte derzeit oberste Priorität“, erklärt Experte Lewe. Das werde jedoch nicht ausreichen, da vorerst mit keiner substanziellen Verbesserung der Ertragslage zu rechnen ist. Folglich werden die Cash-Reserven weiter schrumpfen und die eingeleiteten Maßnahmen nicht ausreichen, um letztlich heil durch die Krise zu kommen.

In einer aktuellen Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, weist A.T. Kearney nach, dass im vierten Quartal 2008 der Ebit-Wert der untersuchten Chemieunternehmen in Deutschland um 81 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres lag. Die Liquidität der Unternehmen lag bereits 2008 um 36 Prozent unter Vorjahresniveau.

Lewe ist deshalb überzeugt: „Wir werden in naher Zukunft eine deutliche Zunahme der M&A-Aktivitäten in der Chemieindustrie sehen.“ Denn nach Abbau von Überstunden und Kurzarbeit droht die endgültige Stilllegung von Produktionsanlagen und der Abbau von Arbeitsplätzen. Aber Stilllegung und Abfindungen für entlassene Mitarbeiter kosten erst einmal; erst danach kann sich die Cash-Position wieder verbessern. Der einzige Ausweg: Ausgliederung und Verkauf von Geschäftsbereichen, die nicht ausreichend profitabel sind. Es kommt zu Übernahmen, Investoren steigen ein.

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