Übernahmen: Dax-Konzerne kaufen billig ein

Übernahmen
Dax-Konzerne kaufen billig ein

Noch vor kurzem mussten Konzerne satte Aufschläge zahlen, wollten sie einen börsennotierten Wettbewerber übernehmen. Doch die Zeiten sind vorbei. Nicht zuletzt deshalb gehen deutsche Unternehmen im Ausland fröhlich auf Einkaufstour. Ihre Kriegskasse ist prall gefüllt.

DÜSSELDORF. BASF lässt sich bei der geplanten Übernahme des US-Konkurrenten Engelhard vom anhaltenden Widerstand nicht abschrecken. Am Montag gab der Chemiekonzern bekannt, dass er die Angebotsfrist für die Übernahme verlängert hat. Die Engelhard-Aktionäre haben nun bis zum 3. März Zeit, das Angebot von 37 Dollar pro Aktie anzunehmen. Konzessionen macht BASF nicht: Trotz Forderungen des Engelhard-Managements haben die Deutschen den angebotenen Preis bislang nicht erhöht.

BASF ist nur ein Beispiel von vielen: Adidas schluckt Reebok, die Deutsche Post kauft Exel, Linde bietet für BOC – nach langer Durststrecke gehen deutsche Unternehmen wieder auf Einkaufstour. Doch anders als im Übernahmefieber zur Jahrtausendwende sind diesmal die Opfer viel billiger und die Angreifer so profitabel wie noch nie.

„2006 wird das Jahr der großen Übernahmen. Die Unternehmen arbeiten so effizient wie lange nicht mehr und verdienen so viel wie noch nie. Nach den Jahren der Ausschüttungen an die Aktionäre investieren die Unternehmen jetzt in die Zukunft“, sagt Thomas Körfgen, Leiter des Aktienfondsmanagements der SEB Invest. Schon vergangenes Jahr kauften deutsche Unternehmen so viel wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Das Volumen der grenzüberschreitenden Übernahmen stieg um ein Viertel auf 73 Mrd. Dollar.

Selbstbewusst treten deutsche Manager auf dem internationalen Parkett auf und wagen sich – wie BASF – nun selbst an feindliche Übernahmen. „Immer internationalere Vorstandsriegen schaffen für deutsche Unternehmen ideale Voraussetzungen, um auch Übernahmen von ausländischen Wettbewerbern stärker in Betracht zu ziehen“, beobachtet Dirk Albersmeier, Leiter des M&A-Geschäfts von JPMorgan in Deutschland.

Die Voraussetzungen sind günstig: Die 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex verfügen nach Handelsblatt-Berechnungen über liquide Mittel von 120 Mrd. Euro, die sie für Übernahmen nutzen können – so viel wie nie zuvor. Zugleich sind potenzielle Opfer heute günstiger zu haben als noch vor zwei Jahren. „Die Firmengewinne steigen häufig schneller als die Kurse. Deshalb kosten diese Unternehmen heute weniger als damals“, rechnet Körfgen vor. In der Tat: Vor zwei Jahren bezahlten Investoren für die 50 größten europäischen Unternehmen durchschnittlich den 20fachen Jahresgewinn. Heute – bei doppelt so hohen Kursen – ist es nur der 13fache Gewinn.

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