Übernahmen in Nordamerika: Deutsche Konzerne verfallen in Kaufrausch

Übernahmen in Nordamerika
Deutsche Konzerne verfallen in Kaufrausch

In Deutschland grassiert die Angst vor Finanzinvestoren aus Übersee, die reihenweise Unternehmen aufkaufen. Doch auch in die Gegenrichtung fließt sehr viel Geld. Deutsche Konzerne schlagen immer häufiger in Nordamerika zu. BASF ist da nur das jüngste Beispiel.

DÜSSELDORF. Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Nordamerika steuern auf ein neues Rekordniveau zu. Kommen der Chemiekonzern BASF und der Stahlhersteller Thyssen-Krupp mit ihren Plänen zum Zuge, summieren sich die Zukäufe in der vergangenen anderthalb Jahre auf nahezu 25 Mrd. Dollar. Fast sechs Jahre ist es her, dass dieses Volumen erreicht wurde – damals allerdings mit nur einem Geschäft: Der Kauf des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream kostete die Deutsche Telekom 27 Mrd. Dollar.

Seitdem ging es abwärts mit den Direktinvestitionen in den USA und Kanada. Die heimische Industrie meldete sich als Investor praktisch ab. Statt dessen wurden Milliarden aus der Region abgezogen. Noch im Jahr 2004 belief sich laut Statistik der Bundesbank der Nettokapitaltransfer mit Nordamerika auf 6,6 Mrd. Euro, das heißt, die Unternehmen holten in diesem Umfang mehr Mittel zurück, als sie investierten. In den ersten drei Quartalen 2005 flossen dagegen netto rund 3,5 Mrd. Euro über den Atlantik.

Das überrascht nicht, hatten doch mehrere große deutsche Konzerne milliardenschwere Zukäufe angekündigt. Furore macht vor allem der Sportartikelhersteller Adidas, der den US-Konkurrenten Reebok für 3,7 Mrd. Dollar kaufen will. Diese Fusion ist noch nicht abgeschlossen, markiert aber nach Einschätzung von Experten einen Trend, der auch in den nächsten Monaten anhalten wird. Wer führend in seinem Industriezweig sein will, „muss auch am Konsolidierungstrend der Branche teilnehmen“, sagt Daniel Stelter von der Unternehmensberatung Boston Consulting. Adidas, aber auch BASF zeigen nach Ansicht des Strategieexperten, dass „wir in Deutschland jetzt wieder ein paar Unternehmen haben, die weltweit mitspielen können“.

Das gilt sicherlich auch für Thyssen-Krupp, die gerade versuchen, den kanadischen Stahlkonzern Dofasco vor einer Übernahme durch den Luxemburger Konkurrenten Arcelor zu bewahren. Das Poker kostet den Ruhrkonzern inzwischen deutlich mehr als erwartet, weil Arcelor trotz Ablehnung durch das Dofasco-Management nicht nachgegeben hat. Die deutschen Stahlkocher spielen den weißen Ritter.

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