Übernahmen
Japans Konzerne schlagen im Ausland zu

So schlecht der starke Yen für Japans Exporte ist, so gut ist das Währungshoch für Investitionen im Ausland. Nach dem schweren Erdbeben halten viele Unternehmen Ausschau nach Übernahmeobjekten.
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TokioJedes Ding hat zwei Seiten. Diese alte Weisheit trifft auch auf die Situation der japanischen Wirtschaft nach der Naturkatastrophe zu.

Zwar hat das große Erdbeben vom 11. März die Produktion der Konzerne im Land hart getroffen. Doch im Gegenzug hat es sie auch sensibler dafür gemacht, ihre Standort- und Diversifikationsstrategien neu zu überdenken.

Zwar beeinträchtigt der anhaltend starke Yen zusätzlich ihre Exportkraft, aber zugleich hat er sie auch zu reichen Investoren im Ausland gemacht.

Die Folge: Die Kaufkraft der Japaner ist gewachsen, die M&A-Aktivität der japanischen Unternehmen erlebt zurzeit einen Boom.

Mehr Ausgaben für Firmenkäufe im ersten Halbjahr 2011
Zahlen von Thomson Financial zeigen, dass die japanischen Unternehmen in der ersten Hälfte dieses Jahres erheblich mehr Geld für Firmenkäufe und Fusionen ausgegeben haben. Insgesamt geht es um rund 5,3 Billionen Yen, das sind etwa 66 Milliarden Dollar oder nach derzeitigem Wechselkurs rund 47 Milliarden Euro.

Zahlen, veröffentlicht von der Wirtschaftszeitung „Nikkei“, gehen sogar von 7,56 Billionen Yen aus, das wäre ein Anstieg von 79 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Am Ende des Jahres soll die Marke von 14 Billionen Yen erreicht werden. „Das wäre annähernd das gleiche Level wie 2005, dem stärksten Jahr seit 1999“, sagt Kentaro Okuda, Gesamtleiter der globalen M&A-Abteilung bei Japans größtem Brokerhaus Nomura.

Die Einkaufsstärke der Japaner hatte sich schon vor dem großen Erdbeben angedeutet. Viele Unternehmen hierzulande haben nach dem Platzen der „Bubble“, der Immobilienblase in den 90er-Jahren, Geld nicht investiert und keine Kredite aufgenommen, sondern Schulden zurückgezahlt. Über die Jahre hat sich dadurch ihr Cash-Flow erheblich erhöht. Nach Daten der japanischen Notenbank übersteigen die freien Gelder der Unternehmen derzeit mit 211 Billionen Yen erstmals die 200-Billionen-Yen-Marke.

Erst die große Naturkatastrophe hat den Konzernen aber offenbar verstärkt gezeigt, dass sie diese Gelder nun einsetzen müssen. So wird Toshibas Milliardenkauf des Schweizer Messgeräteherstellers Landis+Gyr im Mai auch als Versuch gesehen, sich von jenem großen Geschäftsfeld zu entfernen, das wegen der Nuklearkatastrophe in Japan in die Kritik geraten ist – das Geschäft mit Kernkraftwerken.

Zudem hat der starke Yen die Japaner und ihre Firmen im Ausland zu reichen Einkäufern gemacht – während ausländische Fonds bereit waren, Anteile abzustoßen, um an Geld zur Bewältigung der Finanzkrise zu gelangen.

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