Übernahmen kosten mehr
Schnäppchen bei Unternehmen sind passé

Dass die deutschen Konzerne milliardenschwere Übernahmen stemmen können, haben sie in der jüngsten Vergangenheit mehrfach gezeigt. Handelsblatt-Berechnungen zeigen jedoch, dass das Ganze ein teuerer Spaß ist. Denn die zu zahlenden Aufschläge auf den Aktienkurs werden immer höher. Die Zahlen lassen Erinnerungen an die New Economy wach werden.

DÜSSELDORF. Die aktuelle Fusionswelle erreicht rekordträchtige Dimensionen. Allein ein Drittel der Dax-Unternehmen hat in den vergangenen drei Jahren Übernahmen gestemmt, deren Volumen mehr als 1 Mrd. Euro betrug. Gleichzeitig steigt jedoch auch der Aufschlag, den die Käufer auf den Aktienkurs drauflegen müssen.

Nach Handelsblatt-Berechnungen beträgt dieser Aufpreis – gemessen am Aktienkurs vor der Übernahmeofferte – bereits 25 Prozent. Das entspricht dem Niveau von der Jahrtausendwende. Damals führte die Internet-Spekulationsblase zu überhöhten Preisen und zahlreichen gescheiterten Zusammenschlüssen.

Dennoch sind Unternehmensberater und Finanzmarktexperten noch gelassen, weil die Unternehmen, gemessen an ihren Rekordgewinnen, nur halb so teuer sind wie damals. „Die Firmen sind besser und solider als vor sechs Jahren finanziert“, sagt Aktienfondsmanager Thomas Körfgen von SEB Asset Management. Bezahlten die Unternehmen 1999 und 2000 ihre Übernahmen häufig mit Aktien, deren Kurse förmlich explodiert waren, so wickeln sie diesmal ihre Deals in bar ab. „Viele Aktivitäten waren damals von zweifelhaftem strategischem Sinn. Diesmal sind sich die Unternehmen bewusst, dass sie große Integrationsaufgaben vor sich haben“, macht Dirk Albersmeier von JP Morgan einen großen Unterschied aus.

Dennoch zeigt ein Blick auf die größten Deals im Dax, dass sich bislang jede zweite Übernahme für die Anteilseigner nicht lohnt: Die Aktienkurse entwickeln sich schlechter als der Dax. Als Bremse wirken die hohen Restrukturierungskosten. Beispiele sind Adidas, Tui und die Deutsche Post. Auffällig ist, dass mit sechs Dax-Firmen so viel Großkonzerne wie noch nie in Nordamerika einkaufen. US-Firmen sind für deutsche Konzerne interessant, weil die Unternehmenswerte in den USA in drei Jahren nur halb so stark stiegen als hier zu Lande.

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