Übernahmen
Pharmabranche kauft verstärkt Nachschub ein

Die Erforschung eines neuen Medikaments ist teuer und riskant. Doch wenn nicht geforscht wird, gehen den Unternehmen die Patente aus. Die Unternehmenslenker im Big Pharma Business suchen darum kleine und mittlere Unternehmen mit vielen Innovation und versuchen mit Zukäufen neue Sparten zu erschließen.

FRANKFURT. Auslaufende Patente und mangelnder Nachschub an neuen marktreifen Medikamenten heizen seit einiger Zeit bereits das M&A-Geschehen in der Pharmabranche an.

Mit dem 68 Milliarden Dollar schweren Kauf des US-Konzerns Wyeth durch Pfizer bahnt sich nun erstmals seit mehreren Jahren eine neuer Mega-Deal an. Er zeigt für viele Marktbeobachter den Druck, unter dem Pfizer steht: 2011 droht der Konzern rund ein Viertel seines Umsatzes an Generikahersteller zu verlieren, wenn der Patentschutz für das weltweit am meisten verkaufte Medikament Lipitor ausläuft. Mit Wyeth willsich Pfizer unter anderem Zugang zu neuen Medikamentenkandidaten insbesondere im lukrativen Impfstoffgeschäft verschaffen.

Zwar spekulieren Analysten angesichts der Wyeth-Übernahme bereits eifrig über weitere Groß-Akquisitionen. Gemessen an den Aussagen aus der Branche dürften sie aber eher die Ausnahme bleiben. Die meisten Unternehmenslenker im Big Pharma Business streben eher kleine und mittlere Zukäufe an, wie sie öffentlich bekunden. Begehrt sind insbesondere Biotechfirmen mit viel versprechender Pipeline. Der Schweizer Roche-Konzern hat gerade sein - mittlerweile feindliches - Übernahmeangebot für den Biotechriesen Genentech erneuert. Zu den Milliardendeals des vergangenen Jahres zählen auch der Kauf der US-Biotechfirma Imclone durch Eli Lilly oder der Erwerb der amerikanischen Millennium durch den Takeda-Konzern. Die Japaner haben so Zugriff auf vielversprechende Medikamentenkandidaten zur Krebstherapie erhalten.

Weil die Erforschung neuer Medikamente kostenintensiv und risikoreich ist, haben viele Pharmakonzerne in der Vergangenheit ihr Geschäftsmodell auf eine breitere Basis gestellt. Einen Fehlschlag im Pharmabereich können diversifizierte Unternehmen idealerweise durch ihre anderen Geschäftsfelder auffangen. Das hilft auch dem Aktienkurs: Rückschläge werden von den Märkten dann oft nicht so hart abgestraft.

Die jüngsten Zukäufe der forschenden Pharmahersteller im Generikageschäft werden deshalb von vielen Marktbeobachtern unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung gewertet: So erwarb die japanische Firme Daiichi Sankyo im vergangenen Jahr die indische Ranbaxy und Sanofi-Aventis übernahm die tschechische Generika-Firma Zentiva. Der Schweizer Roche-Konzern stärkte im vergangenen Jahr mit dem Zukauf von Ventana seine Diagnostik-Sparte und der US-Konzern Abbott will gerade mit dem Kauf von Advanced Medical in den lukrativen Markt der Augenchirurgie einsteigen. Der Schweizer Novartis-Konzern wiederum erwarb nicht nur den deutschen Generikahersteller Hexal, sondern expandierte auch in den Impfstoffbereich (Chiron) und kaufte sich im vergangenen Jahr in die Augenheilkunde (Alcon) ein. Und auch Pfizer stellt sein Geschäftsmodell mit Wyeths Impfstoffsparte auf eine breitere Basis. Zudem kommen beide Unternehmen zusammen auf 17 so genannte Blockbuster, Medikamente mit mehr als einer Milliarde Dollar Umsatz, die ab 2012 auch nicht mehr als jeweils zehn Prozent Anteil am Umsatz haben sollen.

Übrigens stehen in der Pharmaindustrie nicht nur Übernahmen auf der Tagesordnung, auch die Zahl der Kooperationen ist rasant gestiegen. Mittlerweile steigt Big Pharma auch bei Biotechfirmen ein, die viel versprechende Produktkandidaten noch in der frühen klinischen Forschung haben. Den bisher größten Lizenzdeal in der Biotechbranche mit einem Gesamtvolumen von bis zu 3,3 Mrd. Dollar (rund zwei Mrd. Euro) hat im Juli vergangenen Jahres die Schweizer Firma Actelion für ihr neuartiges Schlafmittel Almorexant mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo Smithkline geschlossen.

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