Übernahmephantasien um Versorger
RWE wehrt sich gegen Spekulationen

Die Börse sieht RWE als lohnendes Ziel – aber eine Attacke durch Electricité de France ist unwahrscheinlich. Der Konzern ist mehrheitlich in Staatsbesitz, und derzeit sind die politischen Verhältnisse in Frankreich noch nicht gesetzt. Auch ein Ausstieg bei EnBW ist nicht einfach.

DÜSSELDORF / PARIS / STUTTGART. Die Spekulationen über ein angebliches Interesse von Electricité de France (EdF) an RWE werden vom Essener Energiekonzern inzwischen deutlich zurückgewiesen. Nachdem das Unternehmen zunächst nur klarstellte, es habe keine Anzeichen für eine Offerte, vermutet es inzwischen sogar eine gezielte Kursmanipulation. RWE will nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) einschalten. Die Gerüchte hatten den Kurs am Freitag zwischenzeitlich um bis zu sieben Prozent nach oben getrieben – und obwohl sie teilweise dementiert wurden, schloss die Aktie mit sechs Prozent im Plus.

Vorstand und Aufsichtsrat liegen Unternehmenskreisen zufolge jedenfalls bislang keine Anzeichen für ein Interesse der Franzosen vor. RWE wird zwar seit langem als potenzielles Übernahmeziel gehandelt. Eine feindliche Attacke durch den vom französischen Staat kontrollierten Konkurrenten gilt aber als unwahrscheinlich und wäre schwierig.

Der Südwestrundfunk (SWR) hatte am Freitag morgen berichtet, Vertreter des französischen Versorgers seien bereits im Bundeskanzleramt in Berlin vorstellig geworden und hätten dort ein Memorandum of Understanding übergeben. EdF verpflichte sich darin, nach einem Einstieg bei RWE die Beteiligung an Energie Baden-Württemberg (EnBW) zu veräußern, um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen.

Sowohl die Bundesregierung als auch EdF haben ein solches Treffen dementiert. Ob der Konzern grundsätzlich an RWE interessiert sei, teilte er aber nicht mit, was die Spekulationen weiter nährte.

Finanziell könnte sich EdF nach Analystenschätzungen RWE gut leisten. EdF wiegt an der Börse 118 Mrd. Euro, RWE knapp 45 Mrd Euro. Die Franzosen hatten Ende 2006 ihre Nettoschulden auf knapp 15 Mrd. Euro gesenkt, dem steht ein Eigenkapital von 23,3 Mrd. Euro gegenüber. Der Cash-Flow beläuft sich auf rund elf Mrd. Euro. Durch einen Verkauf des 45-Prozent-Anteils an EnBW könnte EdF nach Schätzung von Merrill Lynch elf Mrd. Euro erzielen.

RWE hat durch den Verkauf der Tochter Thames Water die Schulden kräftig abgetragen und finanzielle Reserven in zweistelliger Milliardenhöhe angehäuft, mit denen sich ein Teil des Kaufpreises wieder hereinholen ließe. Deshalb kursieren schon seit längerem Übernahmespekulationen. Zunächst wurde dem russischen Gazprom-Konzern ein Interesse nachgesagt, dann hieß es Hedge-Fonds kauften Aktien auf. Auch über EdF und EnBW wurde schon vor geraumer Zeit spekuliert. Die RWE-Führung hat sich auch schon mehrfach mit der Gefahr einer Übernahme befasst.

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