Übernahmepläne bestätigt
Gazprom beschafft sich Geld für Sibneft-Kauf

Der russische Gasmonopolist Gazprom hat bestätigt, den Ölkonzern Sibneft übernehmen zu wollen. Damit würde der vom Kreml kontrollierte größte Gasproduzent der Welt auch zu einem bedeutenden Ölförderer aufsteigen.

HB PEKING. „Verhandlungen sind im Gange“, sagte Gazprom-Export-Chef und Unternehmensvize Alexander Medwedew am Mittwoch am Rande einer Geschäftspräsentation vor Journalisten in Peking. Er hoffe, dass diese noch vor Jahresende abgeschlossen würden. Finanzielle Einzelheiten nannte er nicht.

Derzeit verhandelt Gasprom nach Angaben russischer Zeitungen mit ausländischen Banken über die Aufnahme eines Kredits. Die Gelder sollten von ABN Amro, der Dresdner Bank, Citigroup, Credit Suisse First Boston, Goldman Sachs und Morgan Stanley zur Verfügung gestellt werden. Die Verhandlungen mit den Banken zeugten nach Ansicht von Analysten davon, dass die größte Übernahme in der Geschichte Russlands „binnen weniger Tage abgestimmt sein dürfte“. An Gazprom ist der deutsche Versorger Eon Ruhrgas mit rund 6,5 Prozent beteiligt.

Es gibt bereits seit längerer Zeit Spekulationen darüber, dass die von dem Milliardär Roman Abramowitsch angeführten Mehrheitsaktionäre von Sibneft das Unternehmen komplett an Gazprom verkaufen wollen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, Gazprom wolle für den 72-Prozent-Anteil rund 14 Milliarden Dollar zahlen.

Abramowitsch, der nach Medienberichten reichste Mann Russlands, ist in der Öffentlichkeit vor allem durch sein finanzielles Engagement bei dem englischen Fußball-Club FC Chelsea bekannt. Er hat sich bereits von vielen seiner Beteiligungen in Russland getrennt.

Hinter Gazprom steht als Mehrheitseigner der Kreml. Moskau will das Unternehmen zu einem internationalen Ölmulti ausbauen. Vorstandschef Alexej Miller hatte dazu auf der Hauptversammlung im Juni Käufe von Ölgesellschaften im In- und Ausland angekündigt. Die von Russlands Präsident Wladimir Putin angekündigte Fusion von Gazprom mit dem staatlichen Ölförderer Rosneft wurde indes im Mai nach langem Machtkampf im Kreml abgeblasen.

Die Übernahme von Sibneft durch Gazprom muss bei Vollzug noch vom russischen Kartellamt gebilligt werden. Das russische Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel wendet sich weiterhin gegen den geplanten Kauf. Nach Angaben von Gazprom- und Sibneft-Managern werde das Problem nicht von heute auf morgen gelöst.

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