Übernahmepläne
VW-Vorstand sucht die Hintertür

Die Fusionspläne mit Porsche sind zunächst auf Eis gelegt, aber der VW-Vorstand sucht nach neuen Wegen für das Zusammengehen. Die freien Porsche-Aktionäre könnten am Ende Nachteile erfahren.

HamburgDer Vorstand des Autokonzerns Volkswagen sucht trotz der auf Eis gelegten Fusionspläne nach alternativen Wegen für ein Zusammengehen mit Porsche. Ziel sei es, solche Möglichkeiten bis Ende des Jahres dem Aufsichtsrat von VW vorzustellen. Bisher gebe es aber kein konkretes Konzept, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Denkbar wäre eine neue Vereinbarung, die eine spätere Verschmelzung der Volkswagen AG und der Porsche Holding SE (PSE) vorsehen könnte.

Ende vergangener Woche hatten beide Seiten eine eigentlich für Ende 2011 vorgesehene Verschmelzung aufgrund unterschiedlicher Bewertungen der ausstehenden Rechtsrisiken abgesagt. Im Dezember sollte erst die Hauptversammlung der PSE, anschließend die der VW AG einer vollständigen Fusion zustimmen. Beide Termine sind nun hinfällig.

Hintergrund der Blockade sind Klagen von Anlegern in den USA, die sich von Porsche bei der gescheiterten Übernahme des vielfach größeren VW-Konzerns getäuscht sehen, und Ermittlungen hierzulande gegen die frühere Porsche-Spitze wegen Marktmanipulation. Die sich daraus ergebenden finanziellen Konsequenzen sind aus VW-Sicht derzeit nicht absehbar.

Sowohl der Rumpfvorstand der Porsche SE als auch der Volkswagen AG hatten sich vergangene Woche mit der Bewertung der rechtlichen Risiken befasst, mit unterschiedlichem Ergebnis: Die Porsche-Manager Matthias Müller und Thomas Edig hielten die Risiken dem Vernehmen nach aufgrund ihnen vorliegender Gutachten im Gegensatz zu den VW-Vorständen für überschaubar. Die Topmanager Martin Winterkorn, in Personalunion Vorstandschef von VW und der Porsche SE, und Hans Dieter Pötsch, parallel Finanzchef von VW und PSE, stimmten nicht mit, um Interessenkonflikten vorzubeugen.

Gelingt es dem VW-Vorstand nicht, alternative Wege zur Fusion zu finden, würde VW das operative Geschäft des Sportwagenbauers komplett übernehmen, heißt es. Denn eine im Sommer 2009 als Abschluss des monatelangen Übernahmekampfes zwischen Porsche und VW geschlossene Grundlagenvereinbarung sieht nicht nur die Verschmelzung der Unternehmen bis Ende 2011 vor, sondern gleichfalls einen Plan B: Ab Ende 2012 können Porsches Finanzholding und Volkswagen wechselseitig Optionen zum Verkauf des bei der PSE verbleibenden Anteils am operativen Porsche-Geschäft ziehen.

Die Wolfsburger haben bereits 49,9 Prozent der Anteile am Sportwagenbauer Porsche AG für 3,9 Milliarden Euro erworben und können den Rest zum gleichen Preis kaufen. Allerdings würden bei einem raschen Kauf Steuern in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro fällig. Erst ab Mitte 2014 wäre der Deal steuerfrei. Als letzte Möglichkeit könnte die PSE den Rest am Sportwagenbauer Ende Januar 2015 an Volkswagen verkaufen.

Konsequenz: Die Porsche Finanzholding bliebe länger bestehen als geplant. In die Röhre würden dann die freien Anleger der Porsche SE schauen, von denen viele auf eine Verschmelzung mit VW gesetzt hatten. Ihnen bliebe nach dem Verkauf der Porsche AG an VW nur die Mehrheit an Volkswagen selbst als Finanzquelle. Die Porsche SE hält gut 51 Prozent der VW-Stimmrechte. Hauptaktionäre der Holding sind die Familien Porsche und Piëch, denen eine längere Existenz der PSE gelegen kommen könnte: Bei einer Verschmelzung mit VW verlören sie die Mehrheit der Stimmrechte.

Für VW läuft es damit bei seinen Beteiligungen momentan nicht rund. Denn auch die Kooperation mit dem japanischen Partner Suzuki, an dem die Wolfsburger 20 Prozent halten, ist in schwere Fahrwasser geraten. Der seit längerem schwelende Streit zwischen VW und den stolzen Japanern brach am Wochenende offen aus. Wolfsburg sieht den im Dezember 2009 geschlossenen Kooperationsvertrag als verletzt an, wie der Autobauer am Sonntag mitteilte. Die Vertragsverletzung steht laut VW in Zusammenhang mit dem Bezug von Dieselmotoren von Suzuki durch einen anderen Hersteller. Dies widerspreche aus VW-Sicht den Vertragsinhalten der Kooperation.

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