Übernahmepoker
Kraft will Gebot für Cadbury nachbessern

Im Poker um die Vorherrschaft im weltweiten Schokoladengeschäft zeichnet sich eine härtere Gangart ab. Der US-Nahrungsmittelkonzern Kraft Foods erwägt Medienberichten zufolge die Anhebung seiner rund 17 Mrd. Dollar schweren feindlichen Übernahmeofferte für Cadbury.
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NEW YORK/LONDON. Die Briten hatten das bisherige Gebot des Milka-Herstellers als „lächerlich“ zurückgewiesen. Kraft kommentierte die Meldungen über eine mögliche Verbesserung seines Angebots nicht. Auch der US-Schokoladenkonzern Hershey's, die schweizerische Nestlé-Gruppe sowie der italienische Süßwarenhersteller Ferrero erwägen den Einstieg in den Kampf um Cadbury. „Jede Firma in der Branche, die eine solide Größe hat, wird sich die Sache ansehen.

Denn das ist eine einzigartige Chance“, sagte James Amoroso, Berater für die Lebensmittelindustrie. Sollten Kraft und Cadbury zusammengehen, würden sie die Nummer eins im Schokoladenriegel-Markt, Mars-Wrigley, überholen. Auch die übrigen heißdiskutierten Szenarien für einen Ausgang der Übernahmeschlacht dürften die Branche durcheinanderwirbeln.

Die Aussicht auf einen Bieterwettbewerb trieb gestern den Kurs der Cadbury-Aktien weiter in die Höhe. „Wir glauben, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Wettbieten deutlich gestiegen ist”, kommentierten die Analysten von Investec Securities die Situation. Die Aktie des britischen Süßwarenkonzerns kletterte um 1,7 Prozent auf 813 Pence und damit deutlich über den Wert der offiziellen Kraft-Offerte. Diese liegt auf Basis der aktuellen Bewertung der Aktien des US-Konzerns bei 723 Pence.

Trotz des Vorstoßes von Hershey's, Ferrero und Nestlé geben die meisten Analysten noch immer Kraft die besten Chancen. „Wir glauben, dass es sowohl für Hershey's als auch für Ferrero, als auch für beide gemeinsam schwierig werden könnte, die Finanzierung auf die Beine zu stellen“, warnen die Analysten von Kepler Securities.

Die italienische Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ hatte berichtet, Manager von Hershey's und Ferrero würden sich treffen, um die Möglichkeit eines gemeinsamen Vorgehens auszuloten. Kepler geht davon aus, dass die beiden Konzerne mindestens 800 Pence je Cadbury-Aktie bieten müssten, um den Zuschlag zu erhalten. Das würde auf ein Gesamtgebot von 21 Mrd. Dollar hinauslaufen. Dagegen könne Kraft die Barkomponente seiner Offerte von 300 auf bis zu 400 Pence aufstocken und damit den Cadbury-Aktionären bis zu 826 Pence je Anteilsschein bieten, so die Kepler-Analysten.

Nestlé attestieren Analysten ebenfalls die nötige Finanzkraft für eine Übernahme. Zudem wird spekuliert, Nestlé könne die Option zum Verkauf seiner Anteile am Augenarzneikonzern Alcon an Novartis bereits im Januar 2010 ziehen. Die möglichen Erlöse, die auf bis zu 28 Mrd. Dollar geschätzt werden, könnten dann für Übernahmen aufgewendet werden.

Nestlé droht Ärger

Allerdings warnen Analysten, den Schweizern könnte Ärger mit den Wettbewerbsbehörden drohen, sollten sie versuchen, Cadbury allein und in einem Stück zu schlucken. Spekuliert wird daher auch, dass Hershey's und Nestlé zusammen Cadbury schlucken könnten. Der US-Konzern würde dabei die Schokoladenproduktion übernehmen, die Schweizer das Trident-Kaugummi-Geschäft. Ein weiteres Szenario sieht so aus: Hershey's veräußert seine rund drei Milliarden Dollar schwere US-Lizenz für die Marke Kitkat an Nestlé und füllt dadurch seine Kriegskasse für eine Cadbury-Übernahme.

Cadbury versucht vorerst, seine Unabhängigkeit zu bewahren, und treibt gleichzeitig den Preis in de Höhe. „Wir konzentrieren uns darauf, Wert für unsere Anteilseigner als eigenständiges Unternehmen zu schaffen“, erklärten die Briten. Allerdings werde man jede Offerte erwägen, die den wahren Wert des Unternehmens widerspiegele. Alle potenziellen Cadbury-Interessenten lehnten gestern Stellungnahmen ab.

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