Übernahmepoker
Schutzwall gegen Arcelor-Übernahme bröckelt

Die belgische Region Wallonie wird womöglich aus der von mehreren Staaten gebildeten Front gegen eine feindliche Übernahme des Stahlriesen Arcelor durch Mittal ausscheren. Die Wallonie hält 2,3 Prozent der Anteile an Arcelor.

HB PARIS. Anders als die Regierungen Frankreichs und Luxemburgs wollte sich ein Sprecher der belgischen Region am Mittwoch nicht auf eine Ablehnung des von Arcelor als feindlich eingestuften Übernahmeangebots des Brachenprimus' Mittal festlegen. „Es gibt noch keine Entscheidung“, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministers der Wallonie, Jean-Claude Marcourt. Es gebe auch keinen Zeitdruck für einen Beschluss. Mittal müsse bei einer Übernahme aber zumindest die von Arcelor für die wirtschaftliche Entwicklung der südbelgischen Region gemachten Zusagen einhalten, forderte er.

Frankreich und Arcelor-Aktionär Luxemburg kündigten dagegen erneut an, sich gemeinsam gegen die Übernahmepläne stemmen zu wollen. Beide Länder würden ihre Reaktion auf das als feindlich betrachtete Übernahmeangebot in Höhe von 18,6 Milliarden Euro koordinieren, sagte der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker nach einem Treffen mit dem französischen Ministerpräsidenten Dominique de Villepin in Paris. Zuvor hatte Villepin bereits deutlich gemacht, dass Frankreich, Luxemburg, Belgien und Spanien ihr Vorgehen in dieser Frage abstimmen würden. Luxemburg hält als größter Anteilseigner rund 5,62 Prozent an dem Stahlkonzern.

In Europa beschäftigt Arcelor rund 75 000 Menschen. Die Europäische Metallarbeitergewerkschaft sprach sich in Brüssel entschieden gegen eine Annahme der Mittal-Offerte aus. Mittal hatte am Freitag angekündigt, Arcelor übernehmen zu wollen. Arcelor hatte die Offerte umgehend zurückgewiesen. Die Nummer Zwei der Branche mit Sitz in Luxemburg war 2002 aus einer Fusion der französischen Usinor, der spanischen Aceralia und Luxemburgs Arbed hervorgegangen. Juncker wollte sich am Mittwoch auch mit Frankreichs Präsident Jacques Chirac treffen und danach zu weiteren Gesprächen nach Belgien reisen.

Der Stahlmagnat Lakshmi Mittal bemüht sich indes, die Bedenken gegen seine Übernahme-Pläne auszuräumen. Er wolle alle „sozialen Zusagen“ des Arcelor-Konzerns an die Belegschaft einhalten, hatte er mitgeteilt. Zudem werde es keine Entlassungen geben, wenn Mittal den Zuschlag erhalte. Es könne auch Gespräche über die künftige Rolle von Arcelor-Chef Guy Dolle in einem fusionierten Unternehmen geben. „Wir glauben, dass unser Angebot heute ein sehr attraktiver Vorschlag ist“, sagte er.

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