Übernahmepoker um Pfeiffer Vacuum
Showdown in Wetzlar

Bei der Hauptversammlung von Pfeiffer-Vacuum drehte sich alles um das Übernahmeangebot des Konkurrenten Busch. Aufsichtsratschef Michael Oltmanns hat von den Aktionären wegen seiner Amtsführung die gelbe Karte erhalten.
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WetzlarHauptversammlungen des Tec-Dax-Unternehmens Pfeiffer Vacuum sind normalerweise ruhige Veranstaltungen mit 300 Aktionären. Sie beginnen in der Wetzlarer Stadthalle am Rande der malerischen Altstadt erst um 14 Uhr und sind dann auch meist nach zwei Stunden vorbei. Aber normal ist bei dem Hersteller von Vakuum-Pumpen nichts mehr, seit der Konkurrent Busch, zugleich größter Aktionär mit 30 Prozent, zu Jahresbeginn ein Übernahmeangebot gemacht hat.

Vorstand und Aufsichtsrat wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Avancen aus Baden. „Das von 96,20 auf 110 Euro je Aktie erhöhte Angebot ist nicht angemessen und bietet keine angemessene Kontrollprämie“, sagte Pfeiffer-Vorstandschef Manfred Bender vor dem Aktionärstreffen. Im Übrigen liege der aktuelle Kurs bei 124 Euro. Das Unternehmen ist damit derzeit mit deutlich über einer Milliarde Euro bewertet.

Die Fronten sind verhärtet. Am Vorabend der Hauptversammlung traf sich Bender eine Stunde lang mit Familie Busch. Es war erst das zweite direkte Gespräch. Als „Arbeitstreffen“ bezeichnete der Vorstandschef die Zusammenkunft schmallippig. Zu Verhandlungen sei es nicht gekommen. „Ich weiß gar nicht, was wir verhandeln sollten“, sagte Bender. In seiner Rede empfiehlt er den Aktionären das Angebot nicht anzunehmen – unter tosendem Beifall. Viele Aktionäre wünschen sich zumindest einen höheren Preis oder empfinden die Offerte als feindlich und unerwünscht.

Der familiengeführte Vakuumpumpen-Spezialist mit seinen drei Gesellschaftern der zweiten Generation, Sami (43), Kaya (42) und Ayla Busch (47), hatte immer wieder die mangelnde Kommunikation mit dem Pfeiffer-Vorstand bemängelt und durchgedrückt, dass mit den Aktionären auf der Versammlung über das Übernahmeangebot diskutiert wird.

Die Geschwister schickten die Schwester vor, Ayla Busch. Sie versuchte als erste Rednerin für das Angebot der Badener zu werben. „Das Angebot ist sehr gut. Das Angebot ist fair“, sagte die 47-jährige geschäftsführende Gesellschafterin. Sie erntete damit Gelächter und Buhrufe der Kleinaktionäre. Den Aufsichtsratschef und Versammlungsleiter musste sie erst einmal bitten, wieder zur Ordnung zu rufen. „Lassen Sie Frau Busch bitte ausreden, dann kommt sie auch schneller zum Ende“, sagte Aufsichtsratschef Michael Oltmanns. Die etwas ungewöhnliche und parteiisch anmutende Versammlungsleitung hat wohl ihren Grund: Denn die zierliche Frau im Hosenanzug und mit roter Bluse wirbt bei den Anteilseignern nicht nur um die Annahme der Offerte. Die Familie bläst auch zum Großangriff gegen den Aufsichtsratschef: Sie kritisiert die 16-jährige Amtsdauer des Aufsichtsratschefs Michael Oltmanns und dessen geschäftliche Verquickung mit Pfeiffer über seine Anwaltskanzlei und wirft ihm „fehlende Unabhängigkeit“ vor. So habe die Kanzlei von Oltmanns die kartellrechtliche Stellungnahme für Pfeiffer Vacuum erarbeitet und gegenüber der Kartellbehörde vertreten – für Busch eine bewusst nicht neutrale Position.

Bei der Abstimmung über die Entlastung erlitt Oltmanns dann eine peinliche Schlappe: Nur 48,51 Prozent des auf der Hauptversammlung anwesenden Stimmenanteils hätten einer Entlastung zugestimmt, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Insgesamt lag die Präsenz bei rund 67 Prozent, nach Angaben des Aufsichtsrates ein Rekord. Das Ergebnis zeigt, dass nicht nur die Familie Busch Oltmanns die Entlastung verweigert hat, sondern auch eine erhebliche Zahl anderer Aktionäre. Direkte rechtliche Folgen hat die Nichtentlastung zwar nicht. Doch gelten betroffene Manager als angezählt. Vorstandschef Manfred Bender bekam nahezu volle Rückendeckung aller Aktionäre, einschließlich des Hauptaktionärs Busch.

Im Verlauf der Diskussion rechtfertigte sich Oltmanns, es gehe gar nicht um ihn als Person. Schließlich sei er als Aufsichtsratschef auch von den Buschs im vergangenen Jahr gewählt worden. „Es geht nur darum mich zu isolieren, um den Aufsichtsratsvorsitz zu übernehmen.“

Vorstandschef Bender kartete nach: „Ein Aufsichtsratschef Sami Busch wäre sicherlich nicht unabhängig.“ Busch wolle sich nur Zugang zu Hochtechnologien verschaffen. Am Rande des Aktionärstreffen hatte der Manager zuvor ausgeführt, er befürchte Nachteile für Pfeiffer Vacuum, wenn Busch das Sagen hätte. Es könnte zu Interessenskonflikten kommen, sollte der Wettbewerber etwa wie angestrebt den Aufsichtsratsvorsitz erhalten. Es wird mit härtesten Bandagen gekämpft.

Das bislang eher verschwiegene südbadische Familienunternehmen hat sich mit Hering Schuppener für die Operation Pfeiffer nicht nur professionelle Hilfe in der Kommunikation an die Seite geholt, sondern auch Christoph Seibt, Partner der internationalen Sozietät Freshfields Bruckhaus Deringer. Der Experte in Gesellschaftsrecht erklärte den Aktionären im Detail, warum Oltmanns Rolle gegen Corporate-Governance verstößt: „Sie sind als Versammlungsleiter ungeeignet.“ Der Aktionärsvertreter von der DSW sowie einige Kleinaktionäre schlossen sich der Kritik an.

Die Sympathien für und gegen Busch wogen auf der Versammlung hin und her. Einige warben für mehr Fairness gegenüber Busch. Ein anderer wiederum warf der Familie Busch vor, die Atmosphäre verpestet zu haben: „Den Vorstandschef morgens um sieben anzurufen und ihm zu sagen, dass man ein Übernahmeangebot gemacht hat, hat keinen Stil.“

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