Übernahmeschlacht
Arcelor redet erstmals mit Mittal

Der luxemburgische Stahlkonzern Arcelor wagt sich - mit der Fusionszusage von Severstal im Rücken - erstmals aus der Deckung und erklärt sich zu direkten Gesprächen mit dem Konkurrenten Mittal Steel bereit. Im Übernahmekampf gab es bisher keinen direkten Kontakt zwischen den beiden Konkurrenten.

HB LUXEMBURG. Vertreter der beiden Management-Teams werden sich „in den nächsten Tagen“ treffen, um über den Geschäftsplan von Mittal Steel zu reden, teilte Arcelor am Mittwoch in Luxemburg mit. Bisher gab es keinen direkten Kontakt zwischen Arcelor und Mittal.

Arcelor hatte das Konzept angefordert, um Mittals Offerte prüfen zu können. Dabei geht es vor allem um den Wert der Mittal-Aktien: Mittal hat 25,8 Mrd. Euro für Arcelor geboten, davon maximal 7,6 Mrd. Euro in bar. Den Rest des Kaufpreises will der indische Unternehmer Lakshmi Mittal mit eigenen Aktien begleichen.

Der weltgrößte Stahlhersteller Mittal begrüßte die Gesprächsbereitschaft von Arcelor: „Wir freuen uns auf konstruktive Gespräche über unseren Geschäftsplan. Wir sind davon überzeugt, dass der Plan die Logik und den Wert unseres Fusionsangebots verdeutlicht“, sagte eine Mittal-Sprecherin.

Laut Arcelor gibt es eine „eine Reihe von Fragen zum Geschäftskonzept“, die geklärt werden müssten. Arcelor lehnt den Übernahmeversuch entschieden ab und hat eine Fusion mit dem russischen Stahlhersteller Severstal angekündigt. Der Zusammenschluss mit dem von Alexej Mordaschow kontrollierten Unternehmen soll auch die Übernahme durch Mittal Steel verhindern.

Arcelor-Chef Guy Dollé hat angekündigt, der Verwaltungsrat werde in Kürze Mittals „Business-Plan“ prüfen. Dabei werde möglicherweise auch über das Verlangen von Aktionären, die 29 Prozent des Kapitals halten, nach einer außerordentlichen Hauptversammlung über den Fusionsplan mit Severstal beraten.

Die luxemburgische Börsenaufsicht CSSF hat die von Arcelor mit Mordaschow geplante Transaktion inzwischen unter Auflagen gebilligt. Mordaschow soll im Gegenzug zur Übertragung seiner Severstal-Anteile an Arcelor und für eine Barzahlung von 1,25 Mrd. Euro einen Anteil von 32 Prozent der Arcelor-Aktien bekommen. Dabei werden die Arcelor-Aktien mit 44 Euro bewertet. Damit liegt die Transaktion noch unter der 33,3-Prozent-Schwelle, die nach dem luxemburgischen Übernahmegesetz ein Pflichtangebot auslöst. Ein Käufer von mehr als einem Drittel des Aktienkapitals muss den Minderheitsaktionären den gleichen Preis anbieten, den er für seine Aktien bezahlt hat.

Sollte ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von fünf Mrd. Euro wie geplant beschlossen werden, würde sich Mordaschows Anteil auf 38 Prozent erhöhen. Auch dann werde das Pflichtangebot noch nicht ausgelöst, entschied die CSSF. Erst wenn Mordaschow wie angekündigt seinen Anteil bei Arcelor weiter anhebe, müsse er den Minderheitsaktionären das Pflichtangebot machen. Mordaschow will mittelfristig seinen Arcelor-Anteil auf 45 Prozent aufstocken.

Die Finanzbehörde wies Arcelor zudem an, die Aktionäre über die gesamte Transaktion und vor allem über die Bildung des Aktienpreises für Mordaschow „voll zu informieren“. Arcelor dürfe die 1,25 Mrd. Euro von Mordaschow nicht für das Rückkaufprogramm verwenden und müsse das Geld auf einem Sperrkonto parken.

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