Übernahmeschlacht
Hauskrach bei Hochtief

Das Übernahmeangebot der Spanier an den deutschen Bauriesen entzweit Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens. Der Vorstand kämpft für die Unabhängigkeit, einige Kontrolleure warnen vor den Folgen des Streits - und die Politik schaut teilnahmslos zu.
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Wir haben keine Absicht, unseren Anteil an Hochtief zu erhöhen" - das hat der spanische Großaktionär ACS vor drei Jahren behauptet, als er mit knapp 30 Prozent bei dem Essener Traditionskonzern einstieg. Das Management von Hochtief frohlockte - schien ACS doch der Garant dafür zu sein, dass der Baukonzern eigenständig bleiben kann.

Doch nun will ausgerechnet der eigene Großaktionär die Mehrheit an Hochtief übernehmen. Der Vorstand und die meisten Aufsichtsräte sind entsetzt, schließlich wollten sie immer unabhängig bleiben.

Um Deutschlands größten Baukonzern ist eine Schlacht entbrannt, die immer heftiger wird - und in der eine Schar von Investmentbankern, Anwälten und PR-Strategen mitkämpft. Zwietracht sickert nun wie Gift in alle Ritzen des Unternehmens, beide Seiten arbeiten mit Tricks, die den Konzern spalten und lähmen.

So kündigte die australische Hochtief-Tochter Leighton an, den aus Essen entsandten Aufsichtsratsmitgliedern "nicht mehr alle Informationen zur Verfügung zu stellen". Hochtief hält 54,5 Prozent an Leighton und ist mit Vorstandschef Herbert Lütkestrakötter und zwei weiteren Topmanagern im Board vertreten. Ein Hochtief-Sprecher wiegelte ab: Die Nachrichtensperre sei bei drohenden Interessenkonflikten ein "normaler rechtlicher Vorgang".

Doch das ist nur die halbe Wahrheit - denn tatsächlich herrscht bei Hochtief inzwischen Misstrauen.

So lassen sich Vorstand und Aufsichtsrat des Baukonzerns unabhängig voneinander juristisch beraten. Der Vorstand hat eine elfköpfige Mannschaft von Hengeler Müller engagiert, dem Aufsichtsrat steht ein Beraterteam von Freshfields Bruckhaus Deringer zur Seite.

Hintergrund sind Differenzen in der Abwehrstrategie: Der Vorstand will, so heißt es in Bankenkreisen, eine harte Linie fahren und die Attacke mit allen Mitteln abwehren - auch weil das Angebot von ACS zu niedrig sei. Es bewertet Hochtief mit 3,9 Mrd. Euro. An der Börse ist der Konzern aber 4,5 Mrd. Euro wert.

Zumindest einige Vertreter im Aufsichtsrat dagegen fürchten, dass der Kampf gegen den mit 29,98 Prozent größten Anteilseigner zulasten des Unternehmens geht.

Dabei hat das Gezerre längst begonnen: Hochtief will ACS zwingen, auch für Leighton ein Angebot abzugeben, was die Übernahme erheblich verteuern würde. Mit einer Entscheidung der australischen Börsenaufsicht dazu wird noch in dieser Woche gerechnet.

Sollte Hochtief weitere Giftpillen streuen, etwa das Kapital erhöhen oder selbst für andere Unternehmen bieten, will ACS auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Kontrolleure abwählen lassen.

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Kommentare zu " Übernahmeschlacht: Hauskrach bei Hochtief"

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  • Was kann man schon von unseren Politikern in einem solchen Fall erwarten? Die beschäftigen sich lieber mit der "Gefahr" die vom islam ausgehen könnte, statt sich um die deutsche Wirtschaft oder Arbeitsplätze zu kümmern. Und nur so ganz neben bei, wo haben die Spanier - Spanien soll doch angeblich Pleite sein - das Geld her? Aus dem Rettungsschirm? Es wäre mehr als wünschenswert wenn sich die Politiker und das gilt auch für Seehofer mehr um die wirklich wichtigen Dinge kümmern würden.

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