Übernahmeschlacht um VW
Ermittlungen gegen Porsche-Aufsichtsräte eingeleitet

Die gescheiterte VW-Übernahme durch Porsche zieht weitere Kreise: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat die Ermittlungen ausgeweitet. Offenbar befürchtet sie, dass mögliche Gesetzesverstöße verjähren könnten.
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Düsseldorf/StuttgartIm Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht um Volkswagen ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart nun auch gegen Aufsichtsräte des Sportwagenbauers Porsche. Das berichtet „Spiegel Online“. Sie sollen im Verdacht stehen, gegen Paragraf 20a des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen zu haben.

Der Paragraf stellt die Manipulation von Aktienkursen durch falsche Informationen unter Strafe. Ein Sprecher der Porsche Holding bestätigte am Montag in Stuttgart den Bericht. Zu Details wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Bei der Staatsanwaltschaft war keine Stellungnahme zu erhalten. Dass die Ermittlungen jetzt ausweitet werden, könne damit zusammenhängen, dass mögliche Gesetzesverstöße im März verjährten, heißt es im Bericht weiter.

Im Dezember hatte die Staatsanwaltschaft bereits Anklage gegen die ehemaligen Porsche-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter eingereicht. Ihnen wird Marktmanipulation vorgeworfen. Sie sollen während des Übernahmeversuchs den Aktienkurs manipuliert und Anleger getäuscht haben. Wiedeking und Härter beriefen sich immer darauf, dass der Aufsichtsrat von Porsche während des Übernahmekampfes jeden Schritt zum Erwerb weiterer Aktienpakete genehmigt hatte.

Dem Porsche-Aufsichtsgremium gehören aktuell neben VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und dem Porsche-Chefaufseher Wolfgang Porsche die Familienmitglieder Hans-Michel Piëch, Oliver Porsche und der ehemalige Henkel-Chef Ulrich Lehner an.

Wiedeking hatte sich Ende Dezember zuversichtlich zu einem drohenden Gerichtsverfahren geäußert. „Sollte es zu einem Verfahren kommen, so sehe ich dem ganz gelassen entgegen“, sagte er dem Magazin „Focus“. Von den ursprünglich erhobenen Vorwürfen der Staatsanwaltschaft sei ja nicht mehr viel übrig, sagte Wiedeking. „Und mit dem, was übrig geblieben ist, setzt sich die Staatsanwaltschaft in Widerspruch zu ihren beauftragten Sachverständigen.“

Wiedeking hatte den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche vom Sanierungsfall zum zeitweise profitabelsten Autobauer der Welt gemacht. Vor sieben Jahren hatten er und sein Finanzchef Härter mit Rückendeckung des Porsche-Aufsichtsrates sowie des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch Pläne zur Übernahme des Wolfsburger VW-Konzerns geschmiedet, die letztlich aber Mitte 2009 kurz vor Abschluss gescheitert waren.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart rechnet mit einem Prozessbeginn im Frühjahr. Mit Hilfe falscher Angaben zum Umfang von Optionsgeschäften sollen Wiedeking und Härter einen Kurssprung bei VW-Aktien herbeigeführt haben. Dabei verloren Investoren viel Geld. Einige von ihnen haben Klage eingereicht, so dass sich die Schadenersatzforderungen gegen die Autokonzerne inzwischen auf mehrere Milliarden-Euro belaufen.

Härter steht bereits seit Ende September wegen des Vorwurfs des Kreditbetruges vor dem Stuttgarter Landgericht: Er soll laut Anklage bei Kreditverhandlungen gegenüber einer Gläubigerbank falsche Angaben zum Liquiditätsbedarf des Unternehmens und zu den milliardenschweren Optionsgeschäften gemacht haben.

Nach dem Scheitern des Übernahmeversuchs 2009 hatte Volkswagen den Spieß umgedreht und Porsche übernommen. Der Stuttgarter Sportwagenbauer ist inzwischen die zwölfte Marke im Volkswagen-Konzern. Die von den Familien Porsche und Piëch sowie dem Emirat Katar kontrollierte Porsche Holding hält gut die Hälfte der VW-Stimmrechte und ist damit der bestimmende Aktionär beim größten europäischen Autokonzern.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass einem irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht." (M. Thatcher)

  • GM, Ford und andere internationale Unternehmen hatten schon seit geraumer Zeit ein Auge auf den chronisch unterbewerteten VW Konzern geworfen.
    Waere es den Deutschen lieber gewesen, dass VW ein Teil eines US Giganten wird? Nur die Gruenen und Kommunisten denken und handeln ueber Deutschland so dekadent.

  • Ich wundere ich schon lange, wie diese fürher eher mittelreiche Clans der Porsches und Piechs, Salzburg, in den Besitz von 53 % der Stimmrechtsaktien von VW gekommen ist und damit dort Das Sagen haben. Sie haben sich praktisch auf dem kalten Wege eine deutsche Industrieperle inkl. weiterer Perlchen wie z.B. MAN unter den Nagen gerissen. Wo haben die nur das Geld her? Ihre frühere VW-Vertriebsgesellschaft in Salzburg und auch ihre Porsche-Beteiligung kann ja nicht soviel abgeworfen haben.

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