Übernahmeversuch
Kanada blockiert Potash-Deal

Die kanadische Regierung hat die geplante Milliarden-Übernahme des heimischen Düngemittelherstellers Potash durch den australischen Bergbaukonzern BHP Billiton blockiert. Kanada lehnt nur selten Übernahmen heimischer Firmen durch ausländische Konzerne ab.
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HB OTTAWA. Die Blockade kam für viele Beobachter überraschend. In Medienberichten hatte es zuvor geheißen, die Regierung werde den Potash-Verkauf unter Auflagen wohl genehmigen. BHP will Potash für 39 Mrd. Dollar übernehmen. Der Konzern aus der kanadischen Provinz Saskatchewan lehnt die Offerte jedoch als zu niedrig ab und geht inzwischen auch gerichtlich gegen die Pläne vor. Dabei bekommen die Kanadier im Kampf gegen die drohende Übernahme möglicherweise Schützenhilfe aus Russland. Der russische Düngerproduzent Phosagro schlug am Mittwoch vor, mehrere russische Firmen aus der Branche sollten sich zusammenschließen und mit dem Kauf einer Potash-Beteiligung die feindliche Offerte von BHP durchkreuzen.

Phosagro sieht bei einer Übernahme von Potash durch BHP russische Interessen gefährdet. „Wenn BHP den Kalimarkt dominiert, wären die Folgen für unsere Hersteller schlimm. Wir könnten Teile der Märkte verlieren. Das liegt auf der Hand“, sagte der Verwaltungsratschef von Phosagro, Wladimir Litwinenko, im Interview mit Reuters. Phosagro ist der drittgrößte russische Kali-Produzent nach Uralkali und Silvinit. Der Rivale Belaruskali ist der weltweite Branchenzweite. Er habe bereits den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin um Unterstützung für den Vorstoß gebeten, sagte Litwinenko. Russische und europäische Banken könnten sowohl als Gläubiger als auch als Investoren an einer Offerte beteiligt werden. Eine vollständige Übernahme von Potash schloss er aber aus. „Wir sprechen nicht über eine Übernahme. Es kann eine Fusion werden oder ein Anteilskauf“, sagte Litwinenko.

Potash ist der weltgrößte Produzent von Kali. Das Mineral ist neben Phosphat und Stickstoff einer der drei Hauptbestandteile von Düngemitteln. Der Konzern ist einer der größten Rohstoffkonzerne Kanadas und kontrolliert 25 Prozent des Kali-Weltmarktes. Die Kali-Nachfrage dürfte in den nächsten Jahren weiter zunehmen, weil Schwellenländer wie China und Indien für ihre wachsende Bevölkerung immer mehr Nahrungsmittel produzieren müssen.

Phosagro, Uralkali und Silvinit im Zusammenspiel mit Belaruskali seien sehr starke Branchenvertreter, sagte Litwinenko. Es bestehe die Chance, die Position zu stärken oder aber von BHP ernsthaft herausgefordert zu werden. Nach Einschätzung der Analysten von Troika Dialog würden russische Unternehmen bei einer erfolgreichen Offerte 65 Prozent des weltweiten Kali-Handels beherrschen. Die Experten rechnen aber nicht damit, dass ein solcher Vorstoß gelingen könnte.

BHP hatte im August sein Übernahmenvorhaben angekündigt. Eine ernstzunehmende Gegenofferte eines „weißen Ritters“, der Potash bei der Abwehr von BHP zur Seite stünde, blieb bislang aus. In Deutschland verfolgt der Rivale und Dax-Konzern Kali & Salz (K+S) das Bieterverfahren von der Seitenlinie. Potash hat nach eigenen Angaben Gespräche mit 15 potenziellen Bietern geführt, darunter Unternehmen aus der Branche sowie Finanzinvestoren. BHP Billiton bietet den Potash-Aktionären bislang 130 Dollar je Aktie.

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  • bei dieser Nachricht kann einem nur warm ums Herz werden. Endlich mal eine Regierung, die der Globalisierung Grenzen setzt.
    „Schafft die Zölle ab und unterstützt den Freihandel, dann werden unsere Arbeiter in jedem bereich der Wirtschaft wie in Europa auf das Niveau von Leibeigenen und Paupern herunter gebracht.“ (Pauper: Unterstützungsempfänger)

    So sagte Abraham Lincoln, US Präsident von 1860 bis 1865. ihm war die Schutzfunktion des Staates wichtiger als Shareholder Value.
    Dem kann man/frau nur zustimmen.

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