Übernahmewelle in Brasilien
Hohe Gewinne mit Fleisch

Das Übernahmekarussell in der brasilianischen Fleischbranche dreht sich auf Hochtouren. Die Unternehmen konsolidieren sowohl ihre Produktionsbasis in Südamerika und kaufen auch Marken, Lebensmittelverarbeiter und Vertriebskanäle auf den Absatzmärkten weltweit hinzu.

SÃO PAULO. Die brasilianischen Fleischkonzerne gehen auf Expansionskurs: Die Entstehung des weltgrößten Rindfleischproduzenten mit der Übernahme der nordamerikanischen Swift Foods Company durch die brasilianische JBS-Friboi-Gruppe letzte Woche ist nur die Spitze einer von Brasilien ausgehenden Übernahme- und Fusionswelle.

So berichten argentinische Wirtschaftszeitungen, dass der brasilianische Lebensmittelkonzern Sadia, größter Exporteur für Hühner- und Schweinfleisch Brasiliens, den exportstarken argentinischen Lebensmittelkonzern Molinos Río de la Plata übernehmen will. Bis Jahresende wird Sadia zudem in Kaliningrad die Produktion in einem Jointventure für 70 Mill. US-Dollar mit dem russischen Lebensmittelkonzern Miratog starten. Ende Mai kaufte der brasilianische Konkurrent Perdigão den holländischen Fast-Food-Zulieferer Plusfood für 30 Mill. Euro. Der brasilianische Fleischkonzern Marfrig investierte in mehrere Schlachthäuser in Südamerika und ist heute der größte Rindfleischexporteur Uruguays. Marfrig will in den nächsten Wochen Aktien an der brasilianischen Börse platzieren, um mit dem aufgenommenen Kapital in das Fusionskarussell einsteigen zu können, wie das Friboi (JBS) vorgemacht hat. Die Konkurrenten Minerva, Independencia und Bertin planen ebenfalls Aktienemissionen.

Die Strategien hinter den Aufkäufen von Friboi, Sadia und Perdigão gleichen sich: Die mit hohen Gewinnen arbeitenden brasilianischen Fleischkonzerne übernehmen margenschwache oder verschuldete Konkurrenten und Lebensmittelhersteller im Ausland. So arbeitet etwa Friboi, der brasilianische Rindfleischkonzern mit einer Rendite vor Steuern und Abschreibungen von 14,3 Prozent bei einem Umsatz von 1,9 Mrd. US-Dollar, so das Investmenthaus JP Morgan. Swift, das weit größere Übernahmeopfer, erzielte einen Umsatz von 9,6 Mrd. US-Dollar, aber nur eine Bruttorendite von 0,1 Prozent und sitzt auf einem Schuldenberg von 1,16 Mrd. US-Dollar. Als erstes will Joesley Mendonça Batista, Präsident der brasilianischen Holding J&F Part., die die JBS-Friboi-Gruppe kontrolliert, in den USA die Kosten reduzieren. „Wir wollen rasch auf eine Rendite von vier bis fünf Prozent kommen, wie in der US-Fleischbranche üblich.“ Tyson Foods, der größte US-Fleischverarbeiter (Umsatz 26 Mrd. US-Dollar) arbeitet mit einer Rendite von vier Prozent.

Die brasilianischen Fleischhersteller wollen die Rendite verbessern, indem sie ihre kostengünstigen Fleischprodukte aus Südamerika nun über die aufgekauften Vertriebskanäle und etablierten Marken vertreiben können. „Bisher waren die brasilianischen Konzerne nur Zulieferer für die Industrie in Europa und den USA“, sagt Miguel Cavalcanti vom Consulting-Unternehmen Agripoint aus São Paulo, „jetzt können sie die Gewinne des Handels und der Verarbeiter einstreichen“.

Seite 1:

Hohe Gewinne mit Fleisch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%