Überprüfung der Kosten
Continental stellt Hannoveraner Reifenwerk in Frage

Das Pkw-Reifenwerk des Automobilzulieferers Continental in Hannover wird möglicherweise geschlossen. Der Konzern prüft derzeit, ob sich die Produktion noch rechnet.

der/HB DÜSSELDORF/HANNOVER. "Die Kosten sind zu hoch", sagte Continental-Sprecher Heimo Prokop gegenüber Handelsblatt.com und verwies dabei auf das schwierige Marktumfeld. Deshalb sei der Standort nicht mehr wettbewerbsfähig. Das bedeute aber keineswegs automatisch die Schließung. Erstmal werde das Werk in Hannover-Stöcken noch einmal genau überprüft. Die Gespräche mit den Vertretern der Belegschaft über Kostensenkungen laufen schon.

Laut der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ (Freitagsausgabe) erwartet Conti-Betriebsratschef Wilfried Hilverkus schon in wenigen Wochen eine Entscheidung. Conti-Sprecher Prokop: "Schon einmal haben wir uns mit der Belegschaft auf Kostensenkungen geeinigt." Mit 30 Prozent ist das Personal in der Reifenproduktion einer der wichtigsten Kostenfaktoren, weshalb es hier auch große Einsparmöglichkeiten gibt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die etwa 500 Hannoveraner Continental-Mitarbeiter um ihre Jobs bangen müssen. Bereits Ende 2004 hatte Konzernchef Manfred Wennemer auf einer Betriebsversammlung gesagt, dass ein Auslaufen der Produktion in Stöcken ab 2006 erwogen werde. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es damals. Die Belegschaft befürchtet heute wie damals ein Verlagerung der Produktion nach Osteuropa.

Obwohl Continental in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge auf ein Rekordergebnis zusteuert, brodelt es im Konzern. Die Gewerkschaften machen Conti-Chef Manfred Wennemer dafür verantwortlich, dass er trotz excellenter Ergebnisse Arbeitsplätze in Deutschland abbaut. "Wennemer hat die Sozialpartnerschaft aufgekündigt", heißt es aus Gewerkschaftskreisen. Auf dem Spiel stehen nach Schätzungen der Gewerkschaft in der nächsten Zeit mehr als 2000 Conti-Stellen in Deutschland.

Angestachelt wird der Gewerkschaftszorn von der offensiven Art des Conti-Chefs. Er lässt keine Zweifel daran, dass er weitere Arbeitsplatzverlagerungen in Billiglohnländer anpeilt. Seit er 2001 das Ruder bei dem damals kriselnden und hochverschuldeten Konzern übernommen hat, ist der Anteil der in Billiglohnländern produzierten Reifen auf 40 Prozent gestiegen. "In fünf Jahren wollen wir in die Nähe von 60 Prozent kommen", hat Wennemer erklärt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%